Wein-Presse: Die Originale unserer Heimat
Alexander Kohnen über verschwundene, gebietsheimische Rebsorten
In Europa hat das Kulturgut Wein eine lange Geschichte, die eine Vielzahl heimischer Rebsorten aufweist. Noch 1845 konnte man aus über 300 heimischen Sorten wählen. Heute sind in Deutschland vielleicht noch 30 der ursprünglich in unseren Regionen gewachsenen Sorten zu finden. Die einstige Vielfalt ist zum Großteil unwiederbringlich verloren. Alte Weinberge und Mischrebsätze wurden infolge der Reblaus-Invasion, die Ende des 19. Jahrhunderts zur Vernichtung ganzer Bestände geführt hat, zu Raritäten. Auch der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen war für die Dezimierung heimischer Rebsorten verantwortlich. Im Jahre 1787 verfügte er, dass nur noch Riesling zu kultivieren sei. Das hatte schließlich zur Folge, dass die Mosel und das Mittelrheintal seit jener Zeit das größte Rieslinganbaugebiet der Welt sind, aber andere Sorten verschwanden.
Rebsorten, die dort wachsen, wo sie entstanden sind, bezeichnet man als autochthon. Der Elbling steht heute noch stolz an der Mosel. Der Frühburgunder ist hauptsächlich im Anbaugebiet Ahr zu finden. Den Silvaner kennen viele, aber für Franken und Rheinhessen ist er heilig. Bildlich gesprochen sind autochthone Rebsorten Einheimische, die einem die Geschichte der Region viel spannender und authentischer erzählen können als die Reiseleiterin aus einem fremden Land.
Im Gegensatz zu autochthonen Rebsorten sind allochthone Reben nicht dort entstanden, wo sie wachsen. Die Top Five der fremden Rebsorten dürften Chardonnay, Merlot, Cabernet Sauvignon, Grenache und Syrah sein. Es gibt Menschen, die den Anbau dieser Sorten kritisieren und befürchten, dass dadurch die heimische Geschmacksvielfalt erneut zurückgeht. Schließlich sind gerade diese Trendrebsorten in Deutschland aufgrund des Klimawandels auf dem Vormarsch. Ich bin offen für Neues, doch hoffe ich auch, dass uns unsere letzten heimischen Sorten erhalten bleiben.
In Koblenz-Ehrenbreitstein fand ich eine extrem seltene weiße Rebsorte. Der Ehrenbreitsteiner ist eine Kreuzung aus Ehrenfelser und Reichensteiner. Weniger als zehn Hektar sind in Deutschland mit dieser Sorte bepflanzt. Die Rebe wurde nach der Festung Ehrenbreitstein benannt.
Alexander Kohnen ist Inhaber des International Wine Institutes in Bad Neuenahr (www.iwi-edu.eu).









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