Wenn ich eins in den vergangenen Tagen gelernt habe, dann, dass viele Köche den Brei verderben: Überall, wo ich mit meinem Strickzeug auftauche, löse ich helle Freude aus. Jeder will mal ran an meinen Winterschal, jeder kennt die beste Technik, jeder will eine Reihe stricken.
Auch meine Freunde sind begeistert und diktieren mir ihre Weihnachtswünsche in den Block. Dabei habe ich seit der Grundschule keine Maschen mehr produziert und verstehe anfangs nur Bahnhof, als mir die nette Verkäuferin im Fachgeschäft die Grundlagen des Strickens erklärt. Aber sie ist geduldig, strickt mir vor, ich stricke nach.
Abend für Abend sitze ich nun mit Wolle und Nadel vor dem Fernseher. Was für ein Programm gerade läuft, bekomme ich allerdings nicht mit. Ich bin so konzentriert bei der Sache, dass ich mir mittlerweile so etwas wie den „Mausarm“ fürs Stricken eingefangen habe: Mein rechter Daumen schmerzt vor lauter Anspannung. Aber ich bin ganz wild auf mein neues Hobby und surfe nachts im Internet nach Mustern, denn eigentlich klappt es ja schon ganz gut, auch wenn ich noch nicht so viele Reihen am Stück schaffe.
Dann, eines Abends, ich will gerade meine Handarbeit wieder aufnehmen, der Schock: Irgendwer hat mein Meisterwerk zerstört. Die Maschen sind von der Nadel gerutscht – leider so, dass ich nicht mehr zuordnen kann, auf welche Seite sie gehören. Heimlich gebe ich sie einer Bekannten, die mein Strickzeug wieder aufribbelt und meine sechs Reihen neu strickt. Danach lege ich mein Zeug gut sichtbar auf den Wohnzimmertisch, ganz so, als wäre nichts geschehen und lerne: Manchmal sind mehrere Köche doch ganz gut.
Giovanna Marasco

