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Sybille Treibenreif: Kein Titel

Sybille Treibenreifs Beitrag zu unserem Schreibwettbewerb: „Ein Kurzgeschichten-Autor für unsere „Lobo-RZ“.

Ich blicke mehr der Ordnung halber auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, der fünfte Tag ohne das Internet. Weltweit weg.

Ich frage mich weshalb ich eigentlich hier bin, als Online-Redakteur eines Online-Magazins welches obendrein keine Printausgabe kennt, ist es eine müßige Frage, was ich hier soll. Ja, sicher – zu tun gibt es immer was – wieder mal Ordnung schaffen, im Chaos des Schreibtisches, Buchhaltung – ach nein, hab ja keine Serververbindung, offline versuchen an die Neuigkeiten in der Welt ranzukommen – aber wozu? Nur damit ich weiß, das sich die ganze Welt am Rande des nächsten Wirtschaftscrashs befindet? Diesmal ausgelöst durch die bereits tagelange Ausfallzeit sämtlicher Online-Kommunikationsmöglichkeiten? Die globale Wirtschaft werkt im Inselbetrieb vor sich hin, und versucht wahrscheinlich krampfhaft die letzten verbliebenen Telefonnetze zu überlasten, in dem Versuch wenigstens die wichtigsten Weisungen von der Firmenzentrale in die Tochtergesellschaften zu transportieren. Die Werkbank der Welt – China – steht still, da sie keine CNC-Prozessdaten mehr empfangen können, und auch der Flugverkehr ist wahrscheinlich zum erliegen gekommen da sich die verschiedenen Flughäfen nicht mehr mit der internationalen Flugkoordinationsstelle verbinden können. Die Börsen dieser Welt existieren zur Zeit nicht – dort wird wahrscheinlich noch am wenigsten passieren, da durch den Komplett-Ausfall, keiner in Panik verkaufen kann, und auch kein Spekulant kann durch gefinkelte Wetten seinen Nutzen daraus ziehen. Dieser Knick wird erst einsetzen wenn das Netz wieder da ist.

Es ist eigenartig, völlig unbemerkt hat das Netz unsere Welt übernommen, heute geht nichts mehr ohne das Internet. Die meisten Telefone laufen über VoIP, die Verkehrsampeln schalten auf Befehl aus dem Rechenzentrum ihre Farben, die Logistik der Handelsketten basiert auf Strichcodescannern die, via Internet, die voll automatisierte Nachlieferung von Produkten in den Supermarktregalen übernehmen. Die Bankomaten geben kein Geld her, da sie ohne Verbindung in die Rechenzentrale von einem Raub ausgehen, gleiches gilt für alle anderen Formen des virtuellen Geldes (Kreditkarten, Handy-Bezahl-Services,...). Das Netz ist überall, oder halt auch nicht.

In den großen Ballungszentren der Welt herrscht möglicherweise bereits Katastrophenalarm, das im Umlauf befindliche Bargeld war wahrscheinlich schon am 2ten Tag des Ausfalls in den Kassen der Handelsunternehmen versickert, und die restlichen Waren würden nun Plünderungen zum Opfer fallen. Wenn das Netz nicht bald wieder da ist, könnte es zum Ende unserer „Hochkultur“ kommen.

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