Mario Scheuermann: Ein Wein nach alter Art
Mario Scheuermann: Ein Wein nach alter Art
Keine Frage ist mir in meinem Weinschreiber-Leben so oft gestellt worden wie die nach meinem Lieblingswein. Stets bin ich die Antwort darauf schuldig geblieben; denn einen solchen Wein kann es für mich nicht geben. Eine Zeit lang war es der 1961er La Chapelle aus Hermitage, den ich selbst dann noch blind erkennen konnte, wenn man vier Normal-Flaschen in eine Bordelaiser Doppelmagnum gefüllt hatte um mich zu täuschen. Aber spätestens als eine Sechser Kiste vergangen Woche für sagenhafte 77.469 Euro versteigert wurde, ist mir die Lust auf diesen Wein vergangen.
Nun fragt mich die Rhein Zeitung nach einem Favoriten aus ihrem Verbreitungsgebiet. Da könnte man leicht einen der Granden von der Ahr, von der Terrassenmosel oder der Nahe nehmen. Aber die Löwensteins, Diels und Stoddens überlass ich gern den anderen und möchte diese Kolumne einem Familienbetrieb aus dem Niemandsland des Alsenztales widmen. Niemandsland deshalb, weil dieser vergessene Weinbauwinkel politisch zum pfälzischen Donnersbergkreis gehört aber weinbaulich zur Nahe. So um die 50 Hektar umfasst die die Anbaufläche hier in dem wildromantischen Tal vor den Toren von Bad Kreuznach. 1948 waren es noch 800 Hektar. Die schweren Fröste des Jahres 1956 machten aber den meisten Weinbergen den Garaus. Vielleicht gäbe es dort heute überhaupt keinen Weinbau mehr, wenn nicht Martina und Peter Linxweiler 1986 den bereits auf 1,5 Hektar geschrumpften, über 100 Jahre alten Familienbetrieb übernommen hätten. Von Anfang an setzten sie auf ökologische Bewirtschaftung und knüpften konsequent an die alten Traditionen ihrer Heimat an. Sie pflanzten neben Riesling auch den blauen Sylvaner und legten gleich im ersten Jahr einen Weinberg im alten Mischsatz der Region neu an und zwar Riesling und Traminer. Daraus keltern sie einen wunderbar altmodischen Charakterwein, dessen Flaschen ein Jugendstil-Etikett ziert, das 1919 von dem Pfälzer Heimatdichter Paul Münch für das Weingut geschaffen wurde. mineralisch, saftig und erdig, die Frucht des Rieslings mit der Würze des Traminers verbindend. Man kann ihn jung trinken, aber besser ist es ihn vier fünf Jahre reifen zu lassen. Vor allem der feinherben Version bekommt das besonders gut. Mir schmecken jetzt 2006 und 2003 am besten.
Weingut Hahnmühle, 67822 Mannweiler-Cölln, www.weingut-hahnmuehle.de
2009 Riesling + Traminer trocken 7,90 Euro oder feinherb 9,40 Euro





























Diesen Artikel versenden