Leben in einem lebendigen Museum
Uwe Ochsenknecht mag den Flecken. „Es ist der ruhigste Ort, an dem ich je gedreht habe“, sagt der Schauspieler über Monreal. Die Krimikomödie, in der er einen Stadtpolizisten mimt, der das Land hasst, hallt nach. Morgens um halb acht suchen Touristen den Punkt, an dem Ochsenknechts Kollegin Diana Amft im roten Kleid mit gepushter Büste durchs Dorf gestakst ist. Der Hauch von großer Welt ist passé: Die Schauspieler sind abgereist, die Idylle hält Monreal im Griff. Dennoch: Es kommen immer mehr, die in der Fachwerkkulisse auf Dauer leben wollen. Leben im Museum.
Monreal - Frühmorgens drücken sich die Ersten die Nasen platt an den Fensterscheiben des Cafés, das Kult ist. Flauschig sieht es drinnen aus, ein Teddy thront auf einem Fachwerkbalken, eine rotbraune Kaffeemühle erinnert an Zeiten, als die Kaffeezubereitung mit Handarbeit verbunden war. Das Café Plüsch in Monreal zieht Neugierige an, die nicht nur des Filmes wegen ins Eifeldorf gekommen sind. Aber auch deswegen. „So viele sind jetzt da, die sich den Schauplatz ansehen möchten“, sagt Eva Hausmann-Müller, die Besitzerin des Cafés. Und ihr Mann Ulrich ergänzt, dass sich ein Filmtourismus entwickle. Hunderte Filmfans waren’s am vorigen Wochenende. 1,94 Millionen Fernsehzuschauer, davon 970 000 im SWR-Sendegebiet, haben die Krimikomödie gesehen. Sie erzählt die Geschichte eines Frankfurter Polizisten, der nach zwangsweisem Intermezzo auf dem Land ins trubelige Großraumbüro zurückkehren darf.
Ulrich Müller und seine Frau Eva haben bewusst das Leben in der Provinz gewählt – nachdem sie in Waldbröl, einer Stadt so groß wie Mayen, ein Schülercafé mit 140 Sitzplätzen betrieben haben, mit zwei Billardtischen, einer Dartscheibe. Im Café Plüsch sind’s nunmehr gut 20 Plätze. Dafür ist der Traum, ein „richtiges Café“ zu besitzen, in Erfüllung gegangen. Es stört sie nicht, dass außer beim Bäcker kein Einkauf möglich ist. „Im Gegensatz zur Stadt kann ich mit offenem Fenster schlafen“, nennt Eva Müller-Hausmann einen Vorzug des Landlebens. Einen weiteren: mit Nachbarn leben, die nicht vorbei stieren, wenn man sich begegnet. Gut ein Drittel aller 845 Monrealer sind „Zugereiste“, selbst Städter haben sich fürs dauerhafte Bleiben entschieden. Zugemutet wird ihnen einiges. Wenn sich der Herbst breitmacht, hat man den Eindruck, der Nebel kriecht länger durch die engen Gassen als anderswo. „Es ist zwar dunkler als auf dem Berg, aber Herbst und Winter haben hier ihren besonderen Reiz“, hält die gebürtige Moselanerin entgegen. Wird es draußen garstig, mache man es sich gemütlich, komme zur Ruhe und dürfe melancholisch werden. „Man lebt mit den Jahreszeiten“, sagt sie. Die Ruhe, die ihr Haus aus dem Jahr 1744 ausstrahlt, sei faszinierend. Und steckt zum Müßiggang an, lässt hektisches Stadtleben für Stunden vergessen. Zum Café Plüsch kommen wochenends im Winter Gäste, die Entspannung suchen. Entweder an der reich gedeckten Tafel oder in einem von zwei Gästezimmern, die das Café noch in der Mühlstraße anbietet. „Die sitzen ein ganzes Wochenende vor dem Ofen und lesen ein Buch“, weiß Eva Müller-Hausmann.





























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