Katharina Droot: "Die sechste Nacht"
Katharina Droots Beitrag zu unserem Schreibwettbewerb: „Ein Kurzgeschichten-Autor für unsere „Lobo-RZ“.
Ein deutsches Wohnzimmer, 2059.
"Am nächsten Morgen schaute ich wieder auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, der fünfte Tag ohne das Internet. Weltweit weg."
„Ne, Christian, nicht die Geschichte schon wieder.“
„Doch, bitte, bitte, Opa, erzähl weiter!“
„Die ersten Tage waren wir natürlich total verwirrt, wir saßen vor unseren Bildschirmen, alle paar Minuten fuhren wir die Systeme rauf und runter. Aber nichts. Es war und blieb weg. Wir dachten natürlich an Terror, an Krieg, das Schlimmste. Das kann man sich ja heute gar nicht mehr vorstellen. Da hing ja alles dran, die Regierungen, das Militär, die Wasserversorgung, alles.“
„Konntet ihr euch dann gar nicht mehr waschen, Opa?“
„Doch, doch, aber wir wussten ja nicht, was noch kommt. Vielleicht Versorgungsengpässe, Stromausfall, gehackte Bomben oder all so was.“
„Und was habt ihr dann gemacht?“
„Na erst mal nichts, nur rumgesessen und gewartet. Ich kann mich erinnern, dass wir alle immerzu vor dem Radio saßen, weil wir hofften, die wüssten was. Aber die wussten auch nichts. Am dritten Tag bin ich dann gar nicht mehr hin ins Büro, da bin ich einfach im Bett geblieben. Hab in meinem Bücherschrank…“
„Opa, das ist langweilig, jetzt erzähl doch lieber mal das Andere!“
„Gut, also, das war so: Eure Oma, die kannte ich ja schon von Facebook. Das war so eine Seite, da hat man sich getroffen und immer gesagt, ja, das hier gefällt mir, und das hier und das auch.“
„Opa, jetzt redest du Quatsch!“
„Nein, das war wirklich so. Jedenfalls, eure Oma, die hat mir auch gefallen, aber ich wusste nicht so recht, wie ich ihr das sagen sollte. Aber jetzt hatte ich ja Zeit und nichts zu tun, also habe ich beschlossen, sie zu besuchen.“
„Aber wie denn, du hattest doch gar nicht die Adresse!“
„Stimmt. Aber ich wusste, der eine Freund von mir, der kannte eine Freundin von ihr. Und zu dem bin ich dann hin. Und der ist dann zusammen mit mir zu ihrer Freundin gelaufen. Und zu dritt sind wir schließlich bei ihr angekommen. Da war ich natürlich sehr aufgeregt.“
„Und was hat Oma gesagt?“
„Die hat sich natürlich gewundert, als wir vor ihrer Tür standen. Aber auch gefreut, die hatte ja auch seit Tagen keinen gesehen und gehört. Und dann habe ich sie erst mal ein bisschen getröstet und beruhigt…“

























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