• Startseite
  • » Internet auf dem Land hinkt Standard hinterher
  • Internet auf dem Land hinkt Standard hinterher

    Kreis Bad Kreuznach. Wenn Reinhard Wilke ins Internet möchte, fließen die Daten nur im Schneckentempo. Manchmal kann er zusehen, wie sich Internetseiten aus einzelnen Elementen auf seinem Bildschirm zusammensetzen. Videos online zu betrachten ist bei dieser Geschwindigkeit nahezu unmöglich. Der Weitersborner ist von Beruf IT-Berater, muss in seiner Heimatgemeinde aber mit „Schmalspur-DSL“ leben. Seine Leitungen empfangen Daten nur mit einer Geschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s).

    Welche Geschwindigkeit ist sinnvoll?

      Welche Geschwindigkeit der eigene Internetanschluss haben sollte, hängt von der Nutzung ab. Für die meisten Menschen langt bereits ein Anschluss mit einer Geschwindigkeit von 2000 Kilobit pro Sekunde (kbit/s). Das reicht aus, um im Netz zu stöbern, Nachrichten zu lesen, E-Mails abzurufen und gelegentlich kurze Videos herunterzuladen. Standard sind mittlerweile 6000 kbit/s. Damit lassen sich fast alle Multimedia-Anwendungen nutzen. Für WGs und Heimnetzwerke empfiehlt sich die DSL-Geschwindigkeit 16 000. Das Schnellste, was der Breitbandmarkt derzeit zu bieten hat, ist VDSL. Mit Geschwindigkeiten von 25 000 oder sogar bis zu 50 000 kbit/s ist sogar Fernsehen in HD-Qualität übers Internet kein Problem. Interessant ist VDSL damit vor allem, wenn Internet, Telefonie und TV gemeinsam über einen Anschluss abgewickelt werden.

    Drei Kilometer weiter in Kellenbach sieht es noch schlimmer aus. Dort gibt es teilweise gar keine Internetanbindung. Da schätzt sich Wilke noch glücklich: „Wir sind froh, dass wir mittlerweile eine Flatrate angeboten bekommen. Auch wenn die Datenübertragung nur langsam funktioniert.“ Vor zwei Jahren noch hatte nur ein Teil des Orts das langsame DSL, der Rest musste noch per ISDN ins Netz. Ohne Flatrate. Damit war das Surfen nicht nur langsam, sondern auch teuer.

    Anzeige

    Vor allem in dünn besiedelten Regionen auf dem Land sind derzeit noch einige Orte vom schnellen Internet ausgeschlossen. Bislang schreckten Telekommunikationsunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen davor zurück, solche Anschlüsse zu legen oder verlangten von den Gemeinden, einen Großteil der Investition mitzutragen. Dabei handelt es sich oft um Summen, die von diesen kleinen Gemeinden einfach nicht aufzubringen sind.

    Wie etwa in Rehborn. Ortsbürgermeister Thomas Link schreibt unserer Zeitung über das Portal Wer-kennt-wen in der Gruppe des Oeffentlichen Anzeigers: „Habe gerade vor ein paar Tagen die Info erhalten, dass die Telekom 157 000 Euro für den Anschluss ans schnelle DSL will - dabei liegen die Kabel in der Hauptstraße. Daran liegen zwei der drei örtlichen Hausanschlusskästen. Alternative soll über Funk kommen.“

    Wirft man im Internet einen Blick auf den Breitbandatlas, der vom Bundeswirtschaftsministerium herausgegeben wird, sieht es mit der Versorgung im Kreis Bad Kreuznach auf den ersten Blick aber ganz gut aus. Es gibt kaum mehr weiße Flecken. Allerdings nur, wenn man die Geschwindigkeit außer Acht lässt, mit der die Anschlüsse funktionieren. „Wenn wir über den Mindeststandard reden, sieht es hervorragend aus“, sagt Kreisplaner Manfred Schäfer, der bei der Kreisverwaltung beschäftigt ist.

    Doch in zahlreichen ländlichen Regionen ist das DSL-Netz schlecht ausgebaut. In einigen Orten ist es noch möglich auf Alternativen auszuweichen. Etwa auf schnelles Internet über das Fernsehkabelnetz oder über Mobilfunk. Der Kreis Bad Kreuznach will nun erreichen, dass auf längere Sicht alle Verbandsgemeinden auf einen ähnlichen technischen Stand gebracht werden und sucht deshalb zunächst einen Berater, der Lösungsvorschläge aufzeigen kann. Derzeit laufen Verhandlungen mit der ADD und die Ausschreibung für die Beraterstelle wird vorbereitet. „Es ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Schäfer.

    Doch die öffentliche Hand tut sich generell schwer, in eigene Breitband-Infrastruktur zu investieren. Zu den leeren Kassen kommt die Unsicherheit hinzu. „Niemand kann uns sagen, wo die Reise hingeht. Wer sagt uns denn, dass wir in fünf Jahren nicht flächendeckend DSL über das Stromnetz bekommen“, sagt Schäfer. Die Kommunen wollen nicht auf das falsche Pferd setzen, mutmaßt er.

    Ein Thema ist es allemal, künftig Regionen über das Stromnetz mit Internet zu versorgen. Vor zwei Tagen erst haben das Land Rheinland-Pfalz und die RWE Rheinland Westfalen Netz eine strategische Zusammenarbeit vereinbart und bekannt gegeben. Das Ziel: eine möglichst weitgehende Breitbandversorgung in elf Landkreisen, zu denen auch der Kreis Bad Kreuznach zählt. RWE kündigte an, in den kommenden Jahren in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren. Dadurch sei auch eine umfangreiche Versorgung der Kommunen mit Breitbandnetzen möglich. Dass es in Weitersborn kurzfristig keine Lösung geben wird, die schnelles Internet in das Dorf bringt, ist Reinhard Wilke bewusst. Er hofft nun auf die aktuell laufende Versteigerung von alten Fernsehfrequenzen. Vielleicht sei es darüber mittelfristig ja möglich, schnelles DSL in die Ortsgemeinde zu bringen. Oder eben über das Stromnetz. Denise Bergfeld

     

    Breitband-Atlas und Infos: www.zukunft-breitband.de

    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Wetter
    Freitag

    15°C - 25°C
    Samstag

    15°C - 26°C
    Sonntag

    11°C - 22°C
    Montag

    8°C - 18°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring in Mendig - gut oder schlecht?

    Das große Musikfestival Rock am Ring soll künftig in Mendig stattfinden. Toll für die Wirtschaft, doof für die Anwohner?

    Anzeige
    Regionalsport
    Sind Amateurfußballer sozialversicherungspflichtig?

    Bunt, aktuell und nah dran:

    Unser Regionalsport von F wie Fußball bis E wie Extra 

     späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?Wohin am späten Heiligabend? In welcher Kneipe feiert es sich nach der Bescherung besonders gut?

    Sport-Lokalteile
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Interview der Woche

    Ganz unverblümt und doch charmant: Michael Defrancesco trifft Promis

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!

    Unwetterwarnungen
    Aktuelle Unwetterwarnungen für Deutschland

    Rot und pink markierte Gebiete:

    Warnung vor starkem oder extrem starkem Unwetter

    Anzeige