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Felix Stein: Kein Titel

Felix Steins Beitrag zu unserem Schreibwettbewerb: „Ein Kurzgeschichten-Autor für unsere „Lobo-RZ“.

Er blickt mehr der Ordnung halber auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, der fünfte Tag ohne das Internet. Weltweit weg. Grinsend tritt er auf die Strasse. Es war ein perfekter Plan gewesen, abgestimmt bis ins kleinste Detail, ausgeklügelt in seinen Feinheiten, tausendmal abgeklopft auf Fehlerquellen, Unwägbarkeiten und Störfaktoren. Es war nahezu unmöglich gewesen, dass er schiefging, und doch – Samsor Grega ist rückblickend noch immer erstaunt wie glatt alles gelaufen ist. Er kichert. In schnellen, meckernden Schüben bricht es aus ihm heraus. Langsam steigert er sich in einen seiner Anfälle. Er japst, kreischt, bekommt keine Luft mehr und fällt zu Boden, windet sich dort. Schnapp-Atmung. Hyperventilation. Die Leute wechseln die Straßenseite um ihm auszuweichen. Er weiß, dass es nicht zuletzt diese zu den unmöglichsten Zeitpunkten auftretenden Anwandlungen hysterischer Fröhlichkeit sind die ihn in seinem 500-Seelen-Dorf im Oberbergischen Land zum Paria gemacht haben. Es stört ihn nicht. Nicht mehr. Er, er und einige wenige Gleichgesinnte, sie haben dafür gesorgt, dass das Internet nicht mehr da ist. Eine konzertierte Aktion einer Handvoll junger Männer rund um den Globus, ironischerweise koordiniert und ausgeführt durch eben jenes weltweite Netz welches jetzt zu existieren aufgehört hat. Langsam beruhigt er sich. Tränen laufen über sein Gesicht.

Ob die Regierungen das Netz jemals wieder zum Laufen kriegen? Und ob die anderen seiner Gruppe jetzt ebenfalls den nächsten Schritt angehen, den der sie alle zusammengebracht hat? Alleine der Gedanke, dass der weltweite Ausfall des Internets nur eine erste Maßnahme ist auf dem Weg zu etwas ganz anderem lässt ihn erneut kichern. Mit Gewalt unterdrückt er einen neuen Anfall. Er braucht Beherrschung, schließlich rückt der entscheidende Moment näher. Samsor Grega hat sich herausgeputzt. Bestes Hemd, beste Hose, beste Schuhe, beste Brille. Sogar zum Frisör in der nächsten Stadt ist er gefahren, rechtzeitig vor dem Crash. Mittlerweile wäre es zu spät dafür, der Internet-Ausfall hat auch die Strom- und Treibstoffversorgung kollabieren lassen. Die Tankstellen sind Polizei, Feuerwehr und Ärzten vorbehalten, Strom gibt es nur noch zwei Stunden am Tag. Alles läuft wie geplant, nein, es läuft sogar noch besser – auf dem Aushang an der Hauptstrasse stand, dass Terroristen das Chaos genutzt haben um die Öl-Terminals in Rotterdam zu sprengen. Das bedeutet weiteren Treibstoffmangel, weitere Stromrationierung und auch weitere Isolation hier im Dorf. Keiner kann raus. Der Plan funktioniert.

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