Deutschlehrer, wir müssen reden!
Von Chefredakteur Christian Lindner
Deutschlehrer, wir müssen reden. Bevor aber die Falschen frohlocken: Abiturienten, wir müssen auch reden. Und Studenten, wir müssen erst recht reden. Warum? Ich sag’s bewusst ganz undiplomatisch: Ihr Deutschlehrer entlasst unerträglich viele Schulabsolventen ins Leben, die die deutsche Sprache nicht im nötigen Maße beherrschen. Und Ihr Abiturienten und Studenten, Ihr offenbart selbst in Situationen, die über Euren Lebensweg entscheiden, erschütternd häufig eine inakzeptable Schlampigkeit, viel zu oft zudem auch eine frustrierende Verzagtheit.
Konkreter zu werden, fällt mir leider leicht: Jedes Jahr belasten Dutzende von ärgerlichen Belegen für die Muttersprach-Inkompetenz von Abiturienten und Jungakademikern meinen Schreibtisch. Und was noch schlimmer ist: Immer öfter dokumentieren junge Damen und Herren schriftlich, dass sie über eigene Fehler und Schludereien unentschuldbar lässig denken. Auf den Tisch flutet mir das in Form von Bewerbungen, etwa für eines der heiß begehrten Volontariate (das ist die Ausbildung zum Journalisten in Verlagen), aber auch für Studienplätze an Elite-Universitäten oder für stattliche Stipendien.
Die Lebensläufe der meisten Bewerber künden davon, dass hier die Generation „Wohlstand“ ihren Weg sucht: Sprachferien in England, eher zwölf als sechs Monate Schule in Übersee, meist ein Semester im Ausland, mehrere Fremdsprachen intus – das ist fast schon Standard bei angehenden oder jungen Geisteswissenschaftlern, mit denen wir meist zu tun haben. Und sie wollen unbedingt in den Journalismus, unbedingt auf diese eine Edel-Uni, unbedingt dieses Stipendium. Viele von ihnen kennen die USA, Australien oder gar Neuseeland – kaum einer von ihnen aber beherrscht die Regeln der Interpunktion oder Rechtschreibung. Nicht aus dem Bauch heraus geschätzt, sondern gezählt: Von zehn Bewerbungen in den eben skizzierten Bereichen sind gerade mal zwei fehlerfrei. Alle anderen Aspiranten behelligen uns Entscheider schon in Anschreiben und Lebenslauf mit falschen oder fehlenden Kommata, mit Rechtschreibfehlern, mit grammatikalischen Unsauberkeiten. Ein reales Beispiel, dieser Tage in einer Bewerbung für einen begehrten Master-Studienplatz gelesen: „Das viel mir nicht schwer.“





























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