Daniel Lücking: "Apokalypse? – Tag 5 nach Ausfall des Internets"
Daniel Lückings Beitrag zu unserem Schreibwettbewerb: „Ein Kurzgeschichten-Autor für unsere „Lobo-RZ“.
Ich blicke mehr der Ordnung halber auf den Bildschirm. Alles wie gehabt, der fünfte Tag ohne das Internet. Weltweit weg.
Wenigstens hatte unser Arbeitgeber ein Einsehen und beurlaubt uns bis zur Wiederherstellung des Netzes. Als Onlineredakteur kann ich ohne Netz nicht arbeiten – keine Links, keine Recherche und bloggen geht maximal auf meinem Rechner – offline – somit exklusiv für mich. Momentan gibt es ohnehin nur ein Thema – der Internetausfall.
Irgendwie wird es immer verrückter! Wohin man auch schaut – der Wahnsinn ohne Internet nimmt groteske Formen an.
Die Rheinzeitung täglich zu kaufen, anstatt über das Webportal Nachrichten aus der Region zu erhalten – naja, das kann ich noch gerade so verschmerzen. Doch irgendwie lässt selbst die Qualität im Lokalteil immer mehr nach. Weniger Nachrichten, weil die Redakteure nun zwingend ihre Artikel in der Redaktion abliefern müssen, anstatt online von unterwegs zwischen zwei Terminen die Texte zu übermitteln.
Heute ziert sogar ein roter Kasten die Frontseite – Not-Ausgabe. Jetzt übertreiben es die Redakteure, hoffe ich noch. Spätestens bei der Schlagzeile „Länder und Kommunen bereiten sich auf Notstandsregelungen vor“ ist die Hoffnung dahin. Offenbar wird der Internetausfall länger andauern und die Ursache scheint immer noch nicht klar.
Automatische Ordersysteme, die netzbasiert Informationen austauschen, scheinen uns doch schon so sehr durchdrungen zu haben, dass wir am Rand des Chaos stehen. Die einzelnen Filialen der Lebensmitteldiscounter bestellen mittlerweile per Not-Telefon in den Lagerhäusern des Konzerns – und dort herrscht absolutes Durcheinander.
Die normalerweise voll-automatisierte Lagerhaltung und Verschickung der Waren konnte erst nach 3 Tagen mit Hilfskräften so gestaltet werden, dass die Lastwagen beladen werden konnten. Halten die Lebensmittelmärkte denn wirklich nur Vorräte für weniger als eine Woche in den Regalen?
Das grundlegende Problem, die ansonsten „just-in-time“ gelieferten Güter an den Bestimmungsort zu bringen, trifft alle Geschäftsbereiche. Die ersten Tankstellenpächter haben ihre Zapfanlagen schließen müssen – doch nicht etwa, weil kein Benzin mehr vorhanden war – im Gegenteil. Mit dem Ausfall des Internets konnten keine Preisaktualisierungen mehr vorgenommen werden.
Der Benzinpreis stand bei 1,359 Euro, als das Netz zusammengebrochen ist. Dort hängen nun auch die Preise der Tankstellen, die nun aber wesentlich mehr für die telefonisch georderten Lieferungen dieser Woche aufwenden müssen. Ein manuelles Setzen der Preise durch die Tankstellenpächter wollten die Großkonzerne nicht zulassen – Preisgestaltung, Mengenverwaltung und Nachbestellung erfolgen ausschließlich online. Nun stocken die Nachlieferungen aus den Raffinerien – das Benzin wird knapp und die Preise steigen.

























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