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  • Arzt im Stress: Tag hat 36 Stunden

    Ein Krankenhausarzt muss eine gute Kondition haben, allein schon wegen der langen Wege, die er während eines Arbeitstages zwischen  Operationsaal, Stationen und Praxis zurücklegt. Und: Ein Tag fordert ihn oft länger als 24 Stunden. Wir begleiten den Chirurgen Dr. Barthel Kratsch bei seiner Arbeit in der Bad Emser Paracelsus-Klinik.

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    Dr. Barthel Kratsch ist gut gelaut - obwohl er 36 Stunden am Stück im Dienst ist und in dieser Zeit häufig in den OP gerufen wird.
    Dr. Barthel Kratsch ist gut gelaut - obwohl er 36 Stunden am Stück im Dienst ist und in dieser Zeit häufig in den OP gerufen wird.
    Foto: Jürgen Heyden

    Dr. Barthel Kratsch ist Facharzt für Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie in der „Para“ Bad Ems. Der 49-Jährige wirkt seit sechs Jahren in der Kurstadt, zuvor war er acht Jahre lang Oberarzt im Zentralkrankenhaus Bremen-Mitte. Der Journalist spürt sofort: Kratsch liebt seinen Beruf - trotz oder vielleicht auch wegen des enormen Stresses. Der Journalist begleitet den „Operateur“, um an seinem Beispiel zu zeigen, welchen enormen Belastungen Ärzte im Alltag ausgesetzt sind. In Bad Ems und in allen anderen Krankenhäusern der Region. Während die Politik wenig überzeugend an Finanzierungsmodellen für unser Gesundheitssystem herumdoktert, arbeitet das Personal in unseren Krankenhäusern Tag für Tag und Nacht für Nacht hart. Auch Kratsch:
    00.00 Uhr: Im Haus der Familie Kratsch in Kadenbach herrscht Nachtruhe.
    06.15 Uhr: Der Wecker klingelt. Wie in vielen Familien heißt es auch bei Kratschs: aufstehen. Morgenroutine. Der Arzt frühstückt. Eine Scheibe Toast mit Butter, trinkt einen doppelten Espresso. Die RLZ gehört dazu: Sein Sohn Felix und er „teilen“ sich die Sportseiten.
    07.10 Uhr: Kratsch fährt seinen Sohn zur Schule nach Bad Ems, von dort geht's weiter zur Klinik.
    07.30 Uhr: Frühbesprechung mit drei Kollegen. Was ist in der Nacht passiert, was steht in den kommenden Stunden an?
    07.45 Uhr: Visite der Intensivstation. Bei einer 87-jährigen an Krebs erkrankten Patientin, die nach einem Darmdurchbruch schon mehrfach operiert werden musste, sind erneut Komplikationen eingetreten. Schwere Infektion! Kratsch leitet mit Anästhesisten eine Notoperation ein.
    08.45 Uhr: Visite in den Normalstationen I und II. Kratsch gibt den Patienten die Hand, nimmt sich Zeit für freundliche Worte. Die Wundkontrolle ist Chefsache, Kratsch nimmt auch die Verbandswechsel vor.
    09.00 Uhr: Zeit für Röntgendiagnostik. Die unmittelbare Vorbereitung auf die Notoperation beginnt. Kratsch trinkt eine Tasse Tee, konzentriert sich.
    09.30 Uhr: Notoperation der 87-jährigen Patientin. Phase höchster Konzentration für das eingespielte OP-Team. Alles verläuft optimal. „Ich glaube, wir haben es geschafft“, zieht Kratsch eine sichtlich zufriedene Bilanz.
    10.30 Uhr: Kratsch entspannt in seinem Büro bei einer Tasse Tee, löffelt dabei einen Teller Suppe. Der Profi sagt: „Natürlich versucht man, Schicksale der Patienten nicht zu nahe an sich heran zu lassen. Die alte Dame, die ich eben operiert habe, ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die noch bis zur Einlieferung bei uns alleine gewohnt hat. Daran denkt man auch als Arzt. Wir sind Menschen, die Menschen operieren.“
    10.50 Uhr: Notfall! Eine Patientin mit Herzstillstand wird reanimiert. Kratsch nimmt einen Luftröhrenschnitt vor, die Patientin wird in künstliches Koma gesetzt. Eingriff gelingt. Kratsch: „Sie befindet sich nicht mehr in akuter Lebensgefahr.“
    12.00 Uhr: Gespräch mit Angehörigen von Patienten. Außerdem ausführliche Dokumentationsarbeiten am PC.
    12.30 Uhr: Notfall! Kratsch verlegt einen Patienten mit akuter Bauspeicheldrüsenentzündung in die Intensivstation.“
    13.00 Uhr: Kurze Mittagsbesprechung mit Kollegen und Schwestern. Dann macht Kratsch Pause. Er fährt zur Schule, holt Sohn Felix ab. Gemeinsam fahren sie nach Kadenbach.  An manchen Tagen bleibt Zeit für eine kurze Hausaufgabenkontrolle. Jetzt aber nicht. Kratsch fährt zurück in die Klinik.
    14.00 Uhr: Die Sprechstunde in seiner Praxis, die er in der Klinik gemeinsam mit seinem Kollegen, Dr. Thomas Huda, betreibt, beginnt.
    15.30 Uhr: Eine junge Patientin kommt mit starken Bauschmerzen in die Praxis. Diagnose: Akute Blinddarmentzündung. Das Mädchen muss noch heute operiert werden.
    15.45 Uhr: Die Wartezeiten in der Praxis sind für Patienten aufgrund eines guten Zeitmanagements relativ gering. Insgesamt behandelt der Arzt 30 Patienten.
    18.00 Uhr: Kaum hat der letzte Patient die Praxis verlassen, eilt Kratsch Richtung OP. Das Mädchen wird am Blinddarm operiert. Nach der OP beginnt der offizielle Bereitschaftsdienst für die bevorstehende Nacht. Gemeinsam mit Schwestern macht Kratsch eine Abschlussvisite. Nochmals nimmt er die stationären Patienten in Augenschein, mögliche Maßnahmen für die Nacht werden besprochen. Da er Bereitschaftsdienst hat, fährt er nach Kadenbach.
    19.00 Uhr: zu Hause in Kadenbach. Der routinierte Arzt entspannt im Kreis seiner Familie. Der Mann, der im Tagesverlauf geschätzt zehn Kilometer zwischen Operationssaal, Intensivstation, seinem Büro, den Stationen und der Praxis zu Fuß im flotten Schritt unterwegs war, schaltet etwas ab. Doch er bleibt in einer Grundspannung. Jederzeit kann er alarmiert werden und muss ins Krankenhaus: Notaufnahmen und Komplikationen bei Patienten. Eine ruhige Nacht wird er nicht haben, gut möglich, dass er sogar nach Mitternacht wieder im OP steht. „Für die Patienten macht man das gerne. Dies ist mein Beruf“, sagt Kratsch. Beruf und Berufung liegen wohl eng zusammen, sonst könnte er - wie viele seiner Kollegen - dieses Pensum nicht durchhalten. Der Arzt kann in ruhigen Phasen des Bereitschaftsdienstes gut entspannen, erzählt:  „An manchen Tagen fahre ich mit dem Rennrad zur Klinik, dabei tanke ich Kraft.“ Die Nacht schreitet voran.
    06.15 Uhr: Der Wecker klingelt. Wie in vielen Familien heißt es auch bei Kratschs: aufstehen. Der Arzt frühstückt. Eine Scheibe Toast mit Butter, trinkt einen doppelten Espresso. Unsere Zeitung gehört dazu: Sein Sohn Felix und er teilen sich die Sportseiten.
    07.10  Uhr: Kratsch fährt seinen Sohn zur Schule nach Bad Ems, von dort weiter zur Klinik...
    Den weiteren Tagesablauf kennen wir. Wenn er heute nach Hause fährt, hat er 36 Stunden in den Knochen. „Ich freue mich auf ein gemütliches Essen mit meiner Familie“, sehnt sich der Arzt nach Feierabend.                                Jürgen Zanger

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