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    Dreyer: Eine Linke, die mit dem Volk kann

    In der SPD wird Malu Dreyer verehrt wie Kurt Beck in seinen besten Zeiten. Dabei hat sie noch nie eine Landtagswahl gewonnen, jedenfalls nicht als Ministerpräsidentin. Und sie hat in den drei Jahren ihrer Amtszeit als rheinland-pfälzische Regierungschefin auch nicht die sozialdemokratische Welt neu erfunden.

    Fünf Fragen an Malu Dreyer: 
Diese Musik liebe ich: 
Immer noch und immer wieder Bob Dylan. 
Bei diesem Buch kann ich gut abschalten: 
Im Moment bei den Büchern von Sven Regener. 
Mit diesem Star würde ich gerne einmal essen gehen: 
Robert Redford. 
Ich bewundere die folgende historische Person: 
Nelson Mandela für seinen  unerbitterlichen Kampf um Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. 
An Julia Klöckner schätze ich:  
Dass sie über sich selbst lachen kann. 
    Fünf Fragen an Malu Dreyer:  Diese Musik liebe ich:  Immer noch und immer wieder Bob Dylan.  Bei diesem Buch kann ich gut abschalten:  Im Moment bei den Büchern von Sven Regener.  Mit diesem Star würde ich gerne einmal essen gehen:  Robert Redford.  Ich bewundere die folgende historische Person:  Nelson Mandela für seinen  unerbitterlichen Kampf um Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.  An Julia Klöckner schätze ich:   Dass sie über sich selbst lachen kann. 

    Ihre Regentschaft war von zupackendem Pragmatismus geprägt, ohne große Visionen oder inhaltliche Entwürfe. Man könnte sagen: Ihre politische Programmatik ist blass geblieben. Dreyer führt nicht einmal die Landespartei, dieses Amt übt Innenminister Roger Lewentz aus. Und doch würde die SPD ihrer Malu durchs Feuer folgen. Warum ist das so? Was macht sie aus?

    Dreyer gehört zu den Menschen, bei denen man sich wohlfühlt. Sie kann Menschen für sich einnehmen, ohne sich anzubiedern. Man vertraut ihr intuitiv, obwohl sie in ihrer Analyse unerbittlich sein kann: Als ihr im November 2014 klar wurde, dass sie sich von einem Großteil von Becks alter Garde trennen musste, tat sie das, ohne zu zögern. Den ewigen Skandal um den Nürburgring konnte sie auf diese Weise weitgehend hinter sich lassen. Einige der Betroffenen lecken bis heute ihre Wunden.

    Innere Stärke

    Dreyer hat die innere Stärke, schmerzliche Schnitte zu vollziehen. Sie kann stur sein, wenn sie eine Überzeugung hat. Sie buhlt nicht um Sympathien. So abgegriffen diese Redewendung klingt: Malu Dreyer fliegen die Herzen ohnehin zu. Und sie hat gelernt, ihren Charme einzusetzen, der mal mädchenhaft und mal gewitzt daherkommt. Ihr Lachen ist Legende. Es kommt aus vollem Halse und erinnert an das Keckern eines Vogels. In solchen Momenten wirft sie den Kopf zurück, eine fast schon ungestüme Geste. Dreyer, deren Mobilität durch eine chronische Multiple Sklerose eingeschränkt ist, spricht viel über ihre Mimik. Sie reißt die Augen auf, ist sie überrascht oder erstaunt. Wird ihr Mund zu einem schmalen Strich, dann ist Ärger im Anmarsch.

    Es ließe sich viel über Dreyers kleine Marotten berichten: ihren Hang dazu, Namen zu verwechseln und Metaphern neu zu kombinieren. Oder darüber, dass sie gern mit dem Zeigefinger wedelnd auf jemanden zugeht, wenn sie etwas klarstellen muss. Ein Geste, die freundlich und ermahnend zugleich ist. Und da wäre noch ihre Neigung, Aussagen mit einem doppelten "sehr" zu versehen, besonders wenn ihre Haltung betrifft. Dann ist sie "sehr sehr klar".

    Politisch ist sie eine Linke und Feministin. Das hätte ein Problem für die SPD im Land sein können, die sich seit Jahrzehnten in der gesellschaftlichen Mitte eingenistet hat. Aber nicht bei Malu Dreyer. Dafür kommt sie zu volksnah rüber. Und dafür hat sie auch zu viel gesunden Machtinstinkt.

    Analystin

    Sie, die Ex-Staatsanwältin, legt Wert auf saubere Analyse. Dreyer geht, ganz Akademikerin, dorthin, wo das nötige Wissen ist. Auch wenn sie dafür bei einem kleinen Sachbearbeiter in der Staatskanzlei anrufen muss. Statusfragen sind ihr gleich, solange sie die unumschränkte Chefin ist.

    Dreyer ist keine Freundin von Showeffekten. Das lässt sie integer erscheinen, verringert aber auch ihre Präsenz in den großen bundespolitischen Debatten - etwa in der Flüchtlingsfrage. Selbst im Wahlkampf schafft es Dreyer hier kaum, Aufsehen zu erregen. Ihr geht es darum, die Gesellschaft in einer sich rasant wandelnden Zeit zusammenzuhalten. Ihr Politikstil ist ausgleichend statt sprunghaft. Sie hat als Bürgermeisterin, Sozialministerin und als Ministerpräsidentin Verantwortung getragen. Dreyer weiß um die Mühsal der Demokratie. Im komplexen System unseres Landes lässt sich nichts mit einem Fingerschnippen erledigen, selbst dann nicht, wenn man ganz oben steht.

    Alle Hoffnungen der SPD ruhen auf ihr

    Nun ruhen alle Hoffnungen der SPD auf Malu Dreyer. Nur sie scheint noch zwischen ihrer Partei und dem historischen Verlust der Macht zu stehen. Eine große Bürde für einen einzelnen Menschen. Dreyer lässt sich nichts anmerken. Ihre Krankheit, die sie ohne ein Wort der Klage trägt, scheint sie im Amt etwas weniger zu belasten, heißt es. Dreyer verzichtet öfter auf Rollstuhl und Gehhilfen. Lieber hakt sie sich bei anderen Menschen ein. Das schafft Nähe und Augenhöhe. Wie es in ihrem Innern aussieht, weiß nur sie selbst. Was sichtbar wird, ist, dass sie kämpft. Gegen ihre CDU-Konkurrentin Julia Klöckner, gewiss. Aber auch dafür, dass sie all die Erwartungen nicht enttäuscht - am wenigsten die eigenen.

    db

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