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    KoblenzVon den Nachtseiten der Erotik

    Gelegentlich zeigt er in der Galerie Rube in der Mehlgasse, nur ein paar Häuser von seiner Wohnung entfernt, seine fotografischen Koblenz-Ansichten. Auch wenn die schon auffallen, weil sie nicht idyllisch und postkartenbunt, sondern eher leicht düster und unheimlich eingefärbt sind: Dem, was Eingeweihte mit dem Begriff "think tank ART" oder dem Namen Eddie Bragard verbinden, entspricht das nicht. Die Stadtansichten sind, wie er selbst meint, "nur so eine Art Nebenprodukt".

    Eddie Bragard vermarktet seine Fotografien unter dem Label "think tank ART": Für ihn kein Versteckspiel, sondern einfach ein Liedtitel seiner Band. Denn - so Bragard - ihm geht es nicht um seine Person, sondern um die Bilder.
    Eddie Bragard vermarktet seine Fotografien unter dem Label "think tank ART": Für ihn kein Versteckspiel, sondern einfach ein Liedtitel seiner Band. Denn - so Bragard - ihm geht es nicht um seine Person, sondern um die Bilder.
    Foto: frei

    Koblenz - Gelegentlich zeigt er in der Galerie Rube in der Mehlgasse, nur ein paar Häuser von seiner Wohnung entfernt, seine fotografischen Koblenz-Ansichten. Auch wenn die schon auffallen, weil sie nicht idyllisch und postkartenbunt, sondern eher leicht düster und unheimlich eingefärbt sind: Dem, was Eingeweihte mit dem Begriff "think tank ART" oder dem Namen Eddie Bragard verbinden, entspricht das nicht. Die Stadtansichten sind, wie er selbst meint, "nur so eine Art Nebenprodukt".

    Das eigentliche Motiv des in Trier Geborenen, seit mehr als 20 Jahren in Koblenz Lebenden sind nämlich Menschen. Genauer: nackte menschliche Körper. "Ich bin kein Modefotograf, deshalb eben Aufnahmen ohne Kleidung, ohne jede Mode", erklärt Bragard. Und wenn andere teilweise eher zu verbergen suchen, dass ihre Fotos digital bearbeitet sind, geht er genau den umgekehrten Weg. "Bei mir ist die Bearbeitung wichtiger als das Ausgangsfoto, das ist für mich nur eine Art Basis fürs eigentliche Bild. Das Original im eigentlichen Sinn gibt es heute doch, in der allgemeinen digitalen Bilderflut, gar nicht mehr." Wohl aber das Originelle, das Spezielle. Befragt, was das denn bei seinen Aktfotos sei, meint Bragard, der ab und zu auch als DJ in der Druckluftkammer aktiv und ohnehin mit der Underground-Szene recht eng verbunden ist, das lasse sich schwer erklären.

    „... wir verharren noch immer in den bewertungsregeln des analogen handwerks, aber mit dem einzug der digitaltechnik haben sich die regeln für bilder weiterentwickelt ...“ Eddie Bragard auf seiner Homepage: Der Fotokünstler legt keinen Wert auf Groß- und Kleinschreibung, dafür aber auf die digitale Bearbeitung seiner Ausgangsfotos.

    Vielleicht ist es ein gewisser Fantasy-Faktor, etwas Mystisches, vor allem aber gewisse erotische Nacht- oder Schattenseiten. Er schreibe, erklärt Bragard, seinen Models nichts vor, "die Mädels kommen von sich aus zu mir, und gemeinsam wird dann überlegt, was beim Shooting herauskommen soll." Es gehe ja, meint er, nicht einfach nur um nackte Haut, sondern um Persönlichkeit. "Dafür muss man hinter das Glatte, allzu Offensichtliche blicken und die tieferen Aspekte herauskratzen." Ein Fotostudio hat er nicht, die Aufnahmen entstehen in einem "düsteren und schmutzigen Keller" in der Südstadt, "das gibt eine ganz eigene Atmosphäre, schafft die nötige kreative Atmosphäre."

    Seine von extremen Hell-dunkel-Kontrasten gekennzeichneten Aufnahmen, Erotik- oder Fetischszenen, manchmal Bilder wie aus einem Horrorfilm, sind für manchen vielleicht schon einigermaßen herber Stoff, teilweise haarscharf an der Grenze zur Pornografie. Solche Grenzen, erklärt Bragard, der beruflich aus einer ganz anderen Richtung kommt, interessierten ihn nicht, "die muss jeder für sich selbst finden und definieren."

    Am wichtigsten sei für ihn das Ergebnis, ein Bild mit einer eigenen, obgleich garantiert nicht windschnittigen Ästhetik. Genau die will er ja sowieso nicht, wollte er schon nicht, als er 2006 mit dem Fotografieren anfing. "Der Auslöser war ein Foto von meiner Frau, das mir kein anderer machen konnte, wie ich es haben wollte."

    Mittlerweile finden sich sein Name und seine Fotos selbst in renommierten Fachbüchern wie in des Schweizer Fotografen und Autors Martin Zurmühles "Die Magie der Fotografie oder das Geheimnis herausragender Bilder", Sieger beim "Deutschen Fotobuchpreis" 2011. In Deutschland und in der Schweiz hat er bereits mehrfach ausgestellt und ist gerade dabei, Beziehungen nach Amerika zu knüpfen. Weshalb das Versteckspiel mit dem Begriff "think tank ART"? "Das ist kein Versteckspiel, das ist einfach der Titel eines Songs, den ich vor ein paar Jahren mit meiner EBM-Band ‚Pur Nature‘ aufgenommen habe. Außerdem geht es nicht um meine Person, sondern nur um die Bilder."

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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