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    KoblenzOpernchor auf erfrischenden Abwegen: "Savoy Operas" feiern Premiere in Koblenz

    Sie sind das Rückgrat der Musiktheatersparte jedes Theaters: die Sängerinnen und Sänger des Opernchores. Wenn sie loslegen auf der Bühne, geht es meistens rund, ist oftmals Überwältigung angesagt. Auch am Theater Koblenz ist das jetzt mit einer Opernchorproduktion zu erleben.

    Ein Hoch auf Gilbert und Sullivan vom Team der „Savoy Operas´.
    Ein Hoch auf Gilbert und Sullivan vom Team der „Savoy Operas´.
    Foto: Matthias Baus

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

    Der Opernchor bildet das Rückgrat der Musiktheatersparte eines jeden Theaters, aber wie es mit dem Rückgrat oftmals so geht im Menschenleben: Man nimmt es erst bewusst wahr, wenn es etwas ziept und schmerzt. Und so stehen die Künstler des Opernchores oft im Schatten der Solisten in der ersten Reihe – was den Applaus und die vermeintliche Wertschätzung durch das Publikum angeht.

    Und so entspinnt sich aus einer angenommenen oder tatsächlichen Konkurrenzsituation auch das eine oder andere Vorurteil, das – wie alle Stereotypen – oft genug dann doch auch ein Gran Wahrheit enthalten kann. Oft aber eben auch nicht. „Im Opernchor singen doch nur verhinderte Solisten“, lautet solch ein Vorurteil. Oder aber, ganz entgegengesetzt: „In Opernchören gibt es Stimmen, da können die Solisten des Hauses nicht mithalten.“ Ja, was denn nun?

    Erfahren was den Opernchor ausmacht

    Einen hochinteressanten Einblick in das, was einen Opernchor ausmacht, bietet das Pasticcio „Savoy Operas oder Gilberts Traum“, das der im Mai aus Opernchordiensten Richtung Ruhestand scheidende Tenor Michael Hamlett als Ideengeber und Regisseur auf der Probebühne 4 des Theaters serviert. Leichte Kost einerseits, mit vielen Höhepunkten aus ganzen elf komischen Opern des Erfolgsduos, bestehend aus Textdichter William Schwenck Gilbert und dem Komponisten Arthur Sullivan. Von 1871 an brachten sie mit unglaublichem Erfolg insgesamt 14 Werke auf die Londoner Bühnen, noch heute werden sie von „H.M.S. Pinaforte“ über die „Pirates of Penzance“ bis zum „Mikado“ im englischsprachigen Kulturkreis gern aufgeführt.

    Als Theaterpraktiker mit einiger Erfahrung auch als Regisseur in der Hinterhand hat Hamlett einen roten Faden ausgelegt, der die Gruppierung von Liebeslust und Liebesleid, Lob der Frauen und Spott über die Männer über 90 unterhaltsame Minuten spinnt: Der Librettist Gilbert ist einer neuen Sopranistin sehr zugeneigt, was seine Gattin erwartungsgemäß nicht erfreut – so verfolgen ihn alle, alte wie neue Geliebte und das Personal seiner Werke, bis in den (Alb-)Traum. Michael Hamlett richtet das auf der kleinen Bühne mit übersichtlichen, aber gut gesetzten Mitteln sehr effektvoll ein, lässt sich Choreografien für die Ensembles einfallen, begleitet wird das Ganze am Klavier vom Leiter des Opernchores, Ulrich Zippelius, mit unermüdlicher Verve und großer Exaktheit.

    Doch das Spannende über das Kennenlernen der Musik hinaus sind die Kolleginnen und Kollegen des Regisseurs, die an dem Projekt teilnehmen und immense Textmassen und viele Musiknummern bewältigen. Und vor allem: die nicht versuchen, sich als die vermeintlich besseren Solisten in diesem Programm ins Rampenlicht zu spielen.

    Intensive gegenseitige Kenntnis

    Denn eines vermittelt „Savoy Operas“ sehr eindringlich: Für gute Choristen kommen im Bühnenalltag Anforderungen hinzu, die Solisten so nicht kennen. Wann immer die zehn Vokalkünstler des Abends von Duetten bis zu Sextetten im Ensemble singen, ist es wie ein Zauber. Sie kennen sich und ihre Stärken, aber auch die stimmlichen Problemzonen sehr gut. Wie Stimmen, die man kurz zuvor solistisch und mit stellenweise sehr dramatischem Potenzial geführt hörte, sich zu feinstem Einklang zusammenfinden, ja gemeinsam zu schwingen beginnen: Das sind Gänsehautmomente. Natürlich freut man sich über viele Einzelleistungen, sei es die gewitzte und textsichere Charakterisierung des Gilberts durch Tenor Dirk Eicher, die durch alle Register prächtig und dabei so herrlich ausgeglichen ruhig geführte Stimme von Suk Westerkamp, die erstaunlich aufblitzenden Stentortöne von Tenor Sebastian Haake und viele und vieles mehr. Doch den Hut zieht man auf jeden Fall vor der großartigen Ensembleleistung – und wagt das Urteil: Das können nur sehr gute Opernchorsänger.

    • Termine und Tickets unter Tel. 0261/129 28 40
     

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