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    KoblenzMit Kunst kopfüber ins Wunderland

    Der Hutmacher steht überdimensional groß im Raum und schüttet die winzige Alice aus einer Tasse heraus – alles gebaut aus Pappmaché. Auf einer mit schwarzer Farbe gesprühten Fläche leuchten nur blanke, in einem Halbkreis angeordnete Zähne – mehr braucht es nicht, um der Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“ quasi gegenüberzustehen. Allenthalben begegnen einem im dritten Stock des Ludwig Museums Figuren aus der Geschichte von Lewis Carroll – oder die dort gezeigten künstlerischen Arbeiten spielen auf vielschichtige Weise mit dem Sonderbaren, mit aus der Realität enthobenen Momenten sowie Themen, die sich auch auf den normalen Alltag münzen lassen.

    Von unserer Kulturredakteurin Anke Mersmann

    Die gezeigten Werke stammen von 50 jungen Kunstschaffenden aus Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. Die Tür zu ihrem Wunderland stießen sie schon im vergangenen Sommer auf, als sie im zehnten Sommerkunstcamp der Jugendkunstwerkstatt (Jukuwe) auf Fort Konstantin kreativ arbeiteten. Während eines Wochenendes stürzten sich die jungen Künstler in die Arbeit. Angeleitet von professionellen Künstlern entstanden Bilder, Zeichnungen, Graffiti, Bühnenbauten sowie Videokunst zu dem Motto „Kopfüber ins Wunderland“, das wiederum an das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz angelehnt war: „Der Sommer unseres Vergnügens!“. Jetzt sind ihre Arbeiten im Ludwig Museum zu sehen.

    Aus dem Camp ins Museum

    Zum wiederholten Mal hat das Museum seine dritte Etage für junge Kunst freigeräumt. Dieser Weg vom Sommerkunstcamp ins Museum für eine Ausstellung ist Usus – und ein wichtiger Abschluss fürs Sommerkunstcamp, wie Christof Nießen, Geschäftsführer der Jukuwe erklärt: „Im Museum ausstellen zu können, ist für die Teilnehmer eine große Sache. Es geht aber auch darum, junger Kunst eine wertige Präsentation zu ermöglichen. Das ist selten, wir sind froh, die Museumsräume nutzen zu dürfen.“

    An den Wänden begegnen den Besuchern jede Menge Bilder: Der Malerei-Workshop ist jedes Jahr aufs Neue sehr gefragt im „Kunstreich“. Grafisch starke Arbeiten sind zu sehen, auch collagenartige Bilder, die motivisch gern ins Surreale driften. Da löst sich Figürliches in grünen Ranken auf oder fremde Welten schimmern in Seifenblasen. Manche Bilder haben eine gewisse naive Anmutung, in anderen zeigt sich viel technische Finesse – diese Unterschiede sind kaum überraschend. Im Sommerkunstcamp kommen sehr kunstaffine junge Köpfe zusammen, die sich der bildenden Kunst in einem Studium widmen möchten oder es bereits tun. In einem Alter zwischen 15 und 27 Jahren stehen sie im technischen Ausdruck auf unterschiedlichen Stufen, was sich natürlich auch in den Werken zeigt – und was die Ausstellung bewusst abbilden möchte, wie Mira Nießen, Projektleiterin des Sommerkunstcamps, erklärt: „Es geht um Entwicklung, um Förderung von Talenten, darum, sich während des Camps ganz und gar auf ein Thema einzulassen und sich intensiv damit auseinanderzusetzen.“ So wie es beispielsweise die Zeichner getan haben.

    Für ihre Werke hat Martin Naundorf von der Jukuwe, der die Schau konzipiert hat, eine schöne Präsentationsfläche gebaut: Im Raum hängen großformatig figürliche Zeichnungen, meistens in einem Comic- oder Mangastil gehalten. Es sind Porträts der Zeichner, die während des Workshops kostümiert durch die Stadt zogen, um ihre Motive zu finden – quasi als Bruch zur alltäglichen Norm, wie sie auch in „Alice in Wunderland“ beschrieben ist. Zudem liegen die Skizzenbücher auf einem Lesetisch aus, Hocker laden zum Sitzen und zum Blättern durch fantasiereiche Ideensammlungen in Strichen und Farbe ein.

    Raum und Kreativität

    Viel Raum beanspruchen die Werke aus dem Workshop Bühnenbild: Eine lange, mit Liebe zum Detail gebaut Tafel ragt in den Ausstellungssaal, an deren Ende der fein gemalte Hutmacher Unfug treibt. Elemente eines Labyrinths lehnen an der Wand – um es komplett aufzubauen, fehlte selbst auf der an sich großzügigen Ausstellungsfläche der Raum.

    Aufmerksamkeit beanspruchen auch die Graffitsprayer für ihre Arbeiten: Codiert, rätselhaft kommt manches daher wie etwa eine toll gesprühte Figur, die halb Fisch, halb Mensch darstellt. Surreale Gesichter, tanzende Style-Writings, also typografische Motive, komplettieren diesen Bereich der Schau, die richtig experimentell in der Videokunst wird: Zwei Clips laufen auf Fernsehern, für die die jungen Künstler viel mit Bildeffekten gearbeitet haben: Mit Farbstimmungen, Spiegel, Licht und Schatten sind die minutenlangen Sequenzen angereichert – so unwirklich von den Stimmungen her, als ob ihre Macher wirklich kopfüber ins Wunderland gestürzt wären.

    Die Ausstellung läuft bis zum 2. April im Ludwig Museum. Das elfte Sommerkunstcamp der Jukuwe findet vom 23. bis 25. Juni auf Fort Konstantin statt.

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