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    Bendorf-SaynDie Lemper kann alles – und mehr: Mittelrhein Musik Festival endet

    Mit dem Auftritt von Ute Lemper endete das Mittelrhein Musik Festival für diesen Sommer. "Braves Kätzchen und fesche Lola", schreibt unsere Redakteurin über ihre Darbietung.

    Die Diva zum Abschluss: Ute Lemper setzte mit ihrer Band ein markantes Ausrufezeichen hinter das Mittelrhein Musik Festival. Foto: Kay Myller
    Die Diva zum Abschluss: Ute Lemper setzte mit ihrer Band ein markantes Ausrufezeichen hinter das Mittelrhein Musik Festival.
    Foto: Kay Myller

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

    Facettenreicher könnte ihre Künstlerbiografie kaum sein. Tanz- und Schauspielstudium in Köln und Wien, dann der erste Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, aus dem sie der Schauspieler und Theaterintendant Peter Weck vom Fleck weg nach Wien holt. Hier steht sie mit 20 Jahren in der ersten deutschsprachigen Produktion von „Cats“ auf der Bühne.

    Und von da an geht es Schlag auf Schlag: Musicals, Singstimme für Disneys Meerjungfrau Arielle und die schöne Esmeralda im „Glöckner von Notre Dame“, Auftritte in Paris, am Broadway, in der „Dreigroschenoper“ und in „Starlight Express“. Hinzu kommen Auftritte in Filmen, in denen sie mal ein schwangeres Model, mal die lustvoll quälende Femme fatale ist. All das ist Ute Lemper, in New York lebende Münsteranerin – und eine Menge mehr.

    Braves Kätzchen und fesche Lola

    Wer sie denn nun eigentlich ist, ist schwer zu definieren und bleibt es auch nach ihrem Auftritt beim Finale des diesjährigen Mittelrhein Musik Festivals in der mit 800 Zuhörern bis zum Bersten gefüllten Eisengießhalle in Sayn. Dafür ist sie einfach zu vielseitig. In erster Linie ist sie jedoch, zumindest hier, Chanson- und Jazzsängerin, eine, die mal, zurück zu den Wurzeln, wie ein braves Kätzchen schnurrt, mal gefährlich auf vokale Art ihre Krallen ausfährt. Das tut sie reichlich bei ihrem mit „Last Tango in Berlin“ überschriebenen, die wichtigsten Stationen ihres Lebens – eben Berlin, Paris und New York – nachzeichnenden Programm. Das spiegelt auch ihre persönlichen musikalischen Vorlieben, Musik aus der Zeit zwischen den Kriegen, aber auch aus den 50er-, den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts.

    Da gibt’s die Chansons und Lieder von Friedrich Hollaender, die „Illusions“ aus Billy Wilders Film „A Foreign Affair“ oder, auf den Spuren der Dietrich, die „Fesche Lola“. Da kann die Lemper, eher unglamourös im langen schwarzen Kleid mit roter Schärpe, das erotische Timbre ihrer chamäleonhaften Stimme einsetzen, kann schreien, kreischen und flüstern. Dabei ist sie mal kraftvoll wie die Leander, mal rauchig wie die Lenya oder die Knef, verquickt mit Nuancen, die etwas von Janis Joplin oder Edith Piaf haben. Letzteres nicht nur beim „Milord“, den Georges Moustaki 1958 ganz nach Maß für den Spatz von Paris komponierte.

    Zeit nehmen für Melancholie

    Lemper liebt auch Jacques Brel, sein bei ihr erst recht in wildem Crescendo endendes „Amsterdam“, sein melancholieträchtiges „Ne me quitte pas“. Und sie nimmt sich reichlich Zeit für Melancholie, dehnt und streckt Vokale, liebt oder leidet ein- und ausdrucksvoll. Ihre vierköpfige Band, allen voran Sergio Gruz am Flügel, folgt ihr dabei hautnah, beim „Bilbao Song“ aus Bertolt Brechts von Kurt Weill vertontem Musical „Happy End, und bei Léo Ferrés „Avec le temps“ einer deprimierenden Klage über das alles Auslöschende der Zeit.

    Aber Lemper kann noch mehr, kann auch Tango, wie das „Yo soy Mária“, mit dem sich die Titelheldin der Oper von Astor Piazzolla temperamentvoll vorstellt, und Jiddisches mit seiner intrikaten Mischung aus Lamento und Lebenslust. „Ich weiß ja nicht, ob Ihnen so was grad gefällt, doch es war das Schönste auf der Welt.“ Was Jenny im „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ zur „Musik von damals“ sagt – für das jubelnde Publikum in der Gießhalle ist jedenfalls das, was Lemper bietet, das Schönste auf der Welt, erst recht dann, wenn ihre Stimme Scat singend trompetet – und wenn sie als Zugabe noch das „Non, je ne regrette rien“ der Piaf reichlich rrrollend nachlegt. Nein, diesen Abend hat sicherlich niemand bereut.

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