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  • «Teddy Award»: Schwuler Bruder des Goldenen Bären

    Berlin (dpa). Der Goldene Bär der Berlinale hat einen schwulen Freund, den «Teddy Award». Der «Schmusebär» gilt als der weltweit bedeutendste «queere Filmpreis».

    Denn auf keinem gleichrangigen A-Filmfestival der Welt gibt es wie in der Panorama-Reihe der Berlinale einen so großen Anteil schwul-lesbischer Filmproduktionen aus aller Welt, selbst wenn der Teddy auch für Filme aus den anderen Sektionen der Internationalen Filmfestspiele in Berlin vergeben wird.

    So ist ein Regisseur wie Rosa von Praunheim auf allen «Filmhochzeiten» des Festivals in seiner Heimatstadt seit Jahrzehnten zu Hause - seit dem Knalleffekt von 1971 mit seinem damals viel Wirbel auslösenden Film «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt». Diesmal ist «Oldie» Praunheim mit seinem neuen Werk «New York Memories» dabei.

    Aber die von Manfred Salzgeber begründete und heute von Wieland Speck geleitete Berlinale-Panorama-Reihe bot auch Filmemachern wie Pedro Almodóvar aus Spanien und Gus Van Sant (USA) ein Podium, mit dem sie vor über 20 Jahren überhaupt erst einem größeren Filmpublikum in Deutschland bekannt wurden - sie waren 1987 die ersten Teddy-Preisträger.

    Van Sant hat hier 1986 seinen schwarz-weißen Low-Budget-Film «Mala Noche» gezeigt und der Berlinale seitdem die Treue gehalten - unter anderem mit «Good Will Hunting», mit dem er den Hollywood-Youngster Matt Damon in den späten 90er Jahren hierzulande populär machte. Im vergangenen Jahr lief unter großer Aufmerksamkeit im offiziellen Wettbewerbsprogramm sein Film «Milk» mit Sean Penn in der Rolle des schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk.

    Auch Leinwandstars wie John Hurt, die «Warhol-Muse» Joe Dallesandro, Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton (die letztjährige Jury-Präsidentin der Berlinale) und der Visconti-Schauspieler Helmut Berger wurden in Berlin mit einem Teddy geehrt.

    Der Österreicher Berger (65) feiert diesmal in dem Film «Blutsfreundschaft» von Peter Kern sein Comeback. Er spielt darin einen 80-jährigen schwulen Wiener Wäschereibesitzer, der einen 16-jährigen Jugendlichen vor Neonazis beschützen will, wobei traumatische Erinnerungen an eine Jugendliebe in der NS-Zeit wach werden.

    Es ist ein bewegender und auch melancholischer Auftritt Bergers, der einst als einer der schönsten Männer der Welt galt. Nach seinem Welterfolg von 1972 als «Ludwig II.» von Luchino Visconti sorgte er aber auch durch Alkoholexzesse für Schlagzeilen.

    2007 wurde der «Grandseigneur der Leinwand-Schwulen» auf der Berlinale für sein Gesamtwerk mit einem Teddy ausgezeichnet («Muss man erst 63 Jahre alt werden, um in Deutschland einen Preis zu bekommen?»). 2010 geht der Special Teddy an den Regisseur und «großen Außenseiter des Neuen Deutschen Films», Werner Schroeter (64).

    Der diesjährige Teddy Award steht unter dem Motto «Mein Name ist Mensch». Es soll an den 1996 im Alter von 46 Jahren gestorbenen homosexuellen Sänger der Rockband Ton Steine Scherben, Rio Reiser, erinnern. Er war der erste deutsche Popsänger, der sich öffentlich als schwul geoutet hat.

    Auf der ihm gewidmeten Berlinale-Gala soll die Band erstmals seit dem Tod ihres Frontmannes wieder in ihrer alten Besetzung auf der Bühne stehen. Schirmherr ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), der sich ebenfalls offen zu seiner Homosexualität bekennt.

    Das Reiser-Motto symbolisiere auch die Kraft und Ermutigung, die viele Schwulenfilme für die Homosexuellen-Bewegung bedeuteten, betont Panoramaleiter Wieland Speck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Es ging in den Filmen eines Tages nicht mehr nur um Schwule, die sich nur um ihren eigenen Kram kümmern, sondern um das, was in allen anderen Filmen auch die Hauptrolle spielt - Liebe, Angst und Eifersucht und Existenzprobleme, nur eben mit schwulen Protagonisten.»

    www.berlinale.de

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