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  • Gegen die Konventionen: Barbara Sukowa wird 60

    Berlin (dpa). Die Jagd nach ewiger Jugend und Schönheit hat die Schauspielerin und Sängerin Barbara Sukowa stets verachtet. Es interessieren sie die unangepassten Frauen, die etwas für ihre Zeit Ungewöhnliches tun, die ihren eigenen Weg gehen und sich nicht um die Konventionen scheren.

    Am 2. Februar wird die Frau mit den langen, blond gelockten Haaren 60 Jahre alt - aber einfach nur eine «zickende Schwiegermutter» zu spielen, darauf hat Sukowa keine Lust.

    Ob als Fassbinders «Lola» (1981) oder als Margarethe von Trottas «Rosa Luxemburg» (1986): Anderssein und anecken, so lautet die Devise von Sukowas Figuren immer wieder. In «Die Entdeckung der Currywurst» (2008) versteckt sie im Zweiten Weltkrieg einen jungen Soldaten, mit dem sie eine Affäre hat. Die Schauspielerin, die in diesem Jahr als Jury-Mitglied von Amnesty International zur Berlinale kommt, ist selbst immer eine dieser mutigen Frauen gewesen, die sie so bewundert.

    In ihrer frühen Theaterzeit galt Sukowa als «die rote Barbara», rebellierte gegen patriarchale Strukturen, diskutierte, wollte sich keinem weiblichen Rollenkorsett fügen. Sie hatte in ihrer Heimatstadt Bremen ein bürgerliches Mädchengymnasium besucht und empfand die Zeit der Rebellion als Befreiung. Heute ist sie kompromissbereiter. «Ich habe gelernt, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Was einem selbst als Fehler erscheint, mag für den anderen gerade das Richtige und Wichtige sein», erklärte sie in einem schriftlich geführten Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa.

    Sukowa scheint mit sich im Reinen zu sein. Das Älterwerden ist ihr kaum anzusehen. Doch in ihrem Inneren arbeitet es: «Manchmal, wenn ich gebrechliche und kranke, alte Menschen sehe, macht mir das Älterwerden Angst. Ich glaube, es ist auch schwer, wenn man sehr alt wird und die Freunde alle sterben. Aber die Neugier auf das Altern überwiegt», erzählt die Schauspielerin.

    Trotz der Zufriedenheit, die Sukowa ausstrahlt, bleibt für sie jede neue Rolle ein Kampf. «Ich bin eigentlich sehr privat und fühle mich persönlich nicht so wohl, wenn mich fremde Menschen anschauen», sagt sie über sich. Vielleicht liegt darin der Grund, warum sie selten mehr als einen Film im Jahr gemacht hat. Für ihren jüngsten, «Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen» (2009), bekam Sukowa den Bayerischen Filmpreis.

    Nach dem Schauspielstudium am Berliner Max-Reinhardt-Seminar war zunächst vor allem die Bühne ihre Welt. Bis Rainer Werner Fassbinder sie für die Fernsehverfilmung «Berlin Alexanderplatz» engagierte, die 1980 in 13 Folgen und einem Epilog ausgestrahlt wurde. Die Rolle der Mieze bedeutete für Sukowa den Durchbruch vor der Kamera. Noch heute wird sie häufig zuerst mit Fassbinder in Verbindung gebracht. Dabei fühlte sie sich seinem festen Ensemble nie zugehörig: «Ich mochte gerne, wenn man noch neugierig aufeinander war. Das fand ich im Fall von Fassbinder für die Arbeit produktiver.»

    Die Mutter dreier Söhne lebt mit ihrem dritten Mann, dem Multimedia-Künstler und Maler Robert Longo, in New York. Einst kam sie mit der Vorstellung in den Big Apple, das dortige Theater vibriere vor Ideen und Impulsen. Tatsächlich fand sie es «traurig konventionell», wie die Schauspielerin einmal rückblickend sagte. Geblieben ist sie trotzdem, inzwischen lebt sie seit beinahe 20 Jahren in den USA. Den deutschen Pass jedoch behielt sie.

    Neben dem schauspielerischen hat Sukowa ein ausgeprägtes musikalisches Interesse. Zusammen mit Longo und fünf anderen Männern bildet sie die Band X-Patsys. Für die Powerfrau eine Verjüngungskur: «Ich mache jetzt mit 60 das, was man eigentlich mit 20 macht: Rockmusik.» Leidenschaftlich und zudem äußerst erfolgreich schlägt Sukowa auch immer wieder klassische Töne an: 2008 bekam sie für ihre CD «Im wunderschönen Monat Mai» einen Echo Klassik Preis.

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