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  • «Die Fremde»-Regisseurin für offenere Gesellschaft

    Berlin (dpa). Regisseurin Feo Aladag, die bei der 60. Berlinale ihren Debütfilm «Die Fremde» über einen sogenannten Ehrenmord zeigt, fordert einen offeneren Umgang mit Migranten in Deutschland. Sie sollten sich angenommen fühlen in der hiesigen Gesellschaft.

    «Eine Rückbesinnung auf überholte Werte oder Traditionen findet eher statt, wenn ich mich nicht angenommen fühle, als wenn ich das Gefühl habe, dass ich Teil einer Gesellschaft bin», sagte die in Wien geborene Aladag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa vor der Premiere ihres Films am Samstagabend bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin. «Wenn ich abgelehnt werde, besinne ich mich auf das, was mir vertraut ist und woran ich mich festhalten kann.» Ein Mangel an Akzeptanz und Offenheit durch eine Mehrheitsgesellschaft erleichtere es einer Minderheit nie wirklich anzukommen.

    In «Die Fremde» erzählt Aladag die Geschichte der jungen Deutsch-Türkin Umay - gespielt von Sibel Kekilli («Gegen die Wand») -, die sich aus der unglücklichen Ehe mit ihrem Mann befreien und ihren eigenen Weg gehen will. Umay möchte ihren kleinen Sohn alleine großziehen, Geld verdienen und ihren Schulabschluss nachholen. Dabei stößt sie jedoch auf so starken Widerstand ihrer Eltern und Geschwister, dass die Familie daran zu zerbrechen droht. Der Vater und die Brüder sehen nur einen Ausweg - den des sogenannten Ehrenmordes. Der Film mit Florian Lukas und Nursel Köse läuft bei der Berlinale in der Sektion Panorama Special.

    «Ich will ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Probleme von Minderheiten oder von Teilausschnitten von Minderheiten unser aller Probleme sind», sagte Aladag. «Es sind nicht "Die Anderen" oder "Die Fremden", die uns nichts angehen.» Stattdessen seien es Menschen und Schicksale, die teilweise in fürchterlichen Konflikten gefangen seien. So seien beispielsweise auch die Brüder und Väter der jungen Frauen häufig innerlich zerrissen. Nach einem sogenannten Ehrenmord sei nichts mehr intakt. «Diese Familien sind kaputt, da ist nichts wiederhergestellt, und eine Ehre schon gar nicht. Zurück bleiben nur traumatisierte Menschen», berichtete Aladag, die für den Film jahrelang recherchiert und mit Betroffenen gesprochen hat.

    «Ich wünsche mir mehr Miteinander und mehr echten Dialog auf Augenhöhe», sagte die Regisseurin. Nur das ermögliche, alle Themen tabufrei diskutieren zu können. «Wenn ich aber einer Gruppe per se das Gefühl gebe "Ihr seid falsch" und nur von "den Türken in Deutschland" spreche, wird es als Frontalangriff verstanden und führt nicht dazu, dass ich all die Kritikpunkte anbringen kann, bei denen Handlungsbedarf besteht.»

    Nach Angaben der Vereinten Nationen werden weltweit jedes Jahr rund 5000 Frauen Opfer eines sogenannten Ehrenmordes. Die Dunkelziffer wird jedoch weitaus höher geschätzt. In Berlin machte vor fünf Jahren vor allem der Mord an der jungen Hatun Sürücü Schlagzeilen.

    Der Film kommt am 11. März bundesweit in die Kinos.

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