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  • Berlinale widmet sich mit «Moloch Tropical» Haiti

    Berlin (dpa). Der haitianische Regisseur Raoul Peck hat am Montagabend bei der Berlinale seinen beeindruckenden Spielfilm «Moloch Tropical» vorgestellt. Das Festival hat diesen aus aktuellem Anlass als Special ins Programm genommen und unterstützt die Unicef-Hilfe für die Erdbebenopfer.

    Der Film wurde vor der Katastrophe gedreht. Darin geht es um einen demokratisch gewählten Staatschef, der sich trotz einer Volksrebellion an sein Amt klammert. Peck versteht sein Werk als universelle Geschichte über Macht - und nicht als Porträt des Ex-Präsidenten. «Es ist keine Biografie von (Jean-Bertrand) Aristide», sagte der Regisseur, der 1996/97 Kulturminister von Haiti war.

    Schauplatz ist eine Bergfestung im Norden der Insel, in der sich der Präsident (Zinedine Soualem) mit seiner Entourage verschanzt. Die Vorbereitungen für einen Staatsakt laufen, doch immer mehr ausländische Gäste sagen ab. Die Stimmung gegen den Präsidenten kippt, bis er schließlich von den Amerikanern fallengelassen wird.

    Der vermeintliche Demokrat ist eine Witzfigur. «Du lässt dir die Haut bleichen», schimpft seine Mutter mit ihm. Bei einer Fernsehansprache sitzt er auf einem Kissen, er fürchtet sich vor Kakerlaken und tapst barfuß in eine Scherbe. Der Mann ist ein Schürzenjäger, der eine Bedienstete sexuell belästigt. Zugleich ist der Präsident ein Tyrann - einen politischen Gegner lässt er foltern und bei lebendigem Leib verbrennen. Den Bezug zur Wirklichkeit hat er am Ende völlig verloren.

    Es ist ein Blick hinter die Kulissen der Macht mit vielen bösen Spitzen. «Hinter dem Vorhang geht es zum Teil so zu», sagte Peck. «Moloch Tropical» erinnert vom Thema her an den Film «König von Schottland» über Idi Amins Leibarzt. Züge von Politikern aus aller Welt sind zu erkennen: Die Geschichte könnte nicht nur auf Haiti spielen. Vom Land sieht man ohnehin fast nur Berge.

    Vor der Aufführung warb Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen dafür, die Erdbebenopfer auf Haiti weiter zu unterstützen. Nur weil das Thema aus den Nachrichten verschwunden sei und die Kameras abgebaut seien, heiße dies nicht, dass es sich erledigt habe, sagte Christiansen. Am Eingang des Cinema Paris wurden eigens kreierte Taschen für den guten Zweck verkauft.

    www.berlinale.de

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