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  • Kritik: Schlicht gestrickter Action-Thriller

    Hamburg (dpa) Dass amerikanische Serien es längst mit dem Kino aufnehmen können, wäre spätestens hiermit bewiesen: Der Kino-Thriller «Gesetz der Straße Brooklyn's Finest» versucht etwas Ähnliches wie die preisgekrönte TV-Reihe «The Wire», nur eben als Kinoformat, bleibt dabei aber um Längen zurück.

    Wo nämlich die spannende Drogen- und Polizeiserie aus der Feder von David Simon komplex, authentisch und anspruchsvoll ist, langweilt «Gesetz der Straße» mit einem zu schlicht und stereotyp gestrickten Drehbuch (Michael C. Martin). Da hilft auch die Topbesetzung nichts: Richard Gere, Ethan Hawke, Don Cheadle und Wesley Snipes.

    Actionfilm-Regisseur Antoine Fuqua («Training Day») und der Drehbuch-Debütant Martin erzählen in ihrem Film aus dem skrupellosen Alltag dreier Polizisten in East Brooklyn in New York: Streifen-Cop Eddie (Richard Gere), frustrierter Alkoholiker, hat nur noch wenige Tage bis zur Pensionierung. Tango (Don Cheadle) ermittelt undercover in der Drogenszene. Und Sal (Ethan Hawke) gehört einem Spezialkommando an, das die Drogenumschlagplätze überwacht. Nun wird der Drogendealer Caz (Wesley Snipes) aus dem Knast entlassen und er plant natürlich gleich seinen nächsten Coup.

    Es geht um Korruption - aber nicht nur, wie Regisseur Fuqua in einem Interview betont, «sondern auch um drei zum Scheitern verurteilte Polizisten. Sie alle haben persönliche Probleme, die sie bewältigen müssen.» Probleme hat aber auch der Zuschauer, der vergeblich versucht, Mitgefühl für die Charaktere zu entwickeln, die weitestgehend fremd bleiben. Vielleicht liegt es daran, dass es drei Parallelerzählungen sind. Doch auch hier gibt es ja Positivbeispiele wie etwa «L.A. Crash» oder andere Episodenfilme. Allenfalls Sal (Hawke) nimmt den Zuschauer ein wenig für sich ein: Er ist zweifacher Familienvater, seine asthmakranke Frau erwartet Zwillinge und das Haus, in dem sie wohnen, ist vollkommen verschimmelt. Daher sucht er nach Möglichkeiten, Geld aufzutreiben.

    Vielleicht liegt das Scheitern des Films auch daran, dass der Drehbuchautor überhaupt keine Erfahrung, sondern nur einen Kurs an der Filmfakultät besucht hat; nach einem Autounfall nahm er dann an einem Drehbuchwettbewerb teil, um sich mit dem Preisgeld ein neues Auto zu leisten. Zwar hat er den Wettbewerb nicht gewonnen, aber trotzdem Produzenten auf sich aufmerksam gemacht. Der ausführende Produzent John Thompson («16 Blocks») erinnert sich, dass die Entscheidung binnen 24 Stunden getroffen worden sei.

    Wie durchdacht wirkt dagegen die HBO-Serie «The Wire», die unter Kritikern und Fans als eine der besten Fernsehserien aller Zeiten gilt. Auch hier geht es um den Kampf der Polizei gegen Drogen, um Korruption und Probleme der Cops und um die Tragik im Leben beider Seiten, von Verbrechern und Verfolgern. Wie dort, versucht auch «Gesetz der Straße» die Protagonisten, deren Erlebnisse parallel erzählt werden, dramatisch zusammenzuführen. Aber auch diese letzte Chance des Films zieht ungenutzt vorüber, denn weder begegnen die drei einander, noch führt das Ende zu einer intensiveren Anteilnahme des Zuschauers mit den Figuren.

    dpaq.de/Ky4LA

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