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    RZ-Kommentar: Gewinner des Fernsehduells ist die Demokratie

    Ganz Deutschland spricht über das Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück - und das ist gut so. Es kommt selten vor, dass ein politisches Ereignis beim Bäcker, am Frühstückstisch, am Arbeitsplatz d a s Gesprächsthema ist.

    Rena Lehmann kommentiert

    Das schaffen in unserer vielstimmigen Nachrichtenwelt sonst nur noch hochkarätige Fußballspiele. Das TV-Duell hat der Bundestagswahl gebracht, was sie dringend brauchte: die Aufmerksamkeit der Bürger, die am 22. September die Wahl haben.

    Der Wahlkampf 2013 drohte zuletzt derartig schleppend in Gang zu kommen, dass man von einer "heißen Phase" schon gar nicht mehr sprechen mochte. Nichts ist für die Demokratie schlimmer, ja schädlicher. Wenn Desinteresse und Ignoranz auf Dauer zu ihren Begleitern werden, dann lahmt sie und gerät ins Stocken. Dann verlieren ihre Repräsentanten ihre Legitimation und Autorität als Volksvertreter.

    Man kann am TV-Duell viel herummäkeln. Dass vier Moderatoren mindestens zwei zu viel sind. Dass das strenge zeitliche und formale Korsett der Sendung wenig Spielraum lässt für eine spontane und überraschende Debatte. Dass ein Duell zwischen zwei Kontrahenten eigentlich eine amerikanische Erfindung ist und im deutschen Mehrparteiensystem die kleineren Parteien eindeutig benachteiligt. Am Ende jedoch profitieren auch sie vom Duell der beiden "Großen". Denn beide haben Themen angestoßen - und das kann all jene Wähler mobilisieren, die noch unentschlossen sind in der Frage, wen sie wählen sollen. Und ob sie überhaupt von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Im Fahrwasser des Schlagabtauschs zwischen Merkel und Steinbrück gewinnt Politik insgesamt. Man kann sich an ihren Argumenten reiben, ihnen zustimmen - oder über die Wirkung einer schwarz-rot-goldenen Halskette streiten. Man spricht - wieder - über Politik.

    Nicht zuletzt ist das TV-Duell tatsächlich die einzige Bühne, auf der der Wähler die beiden möglichen Chefs einer neuen Bundesregierung im direkten Vergleich erleben kann. Es ist nicht gut für eine Demokratie, wenn Auseinandersetzungen zwischen Volksvertretern nur noch "über Bande" gespielt in Interviews oder allenfalls in Reaktionen auf Bundestagsdebatten deutlich werden. Beim direkten Duell ist es dann doch ein wenig wie beim Fußballspiel: Was zählt, ist, was auf dem Platz passiert. Nur darüber, wer am Ende gewonnen hat, lässt sich beim Fußball meist nicht ganz so trefflich streiten.

    E-Mail: rena.lehmann@rhein-zeitung.net

    TV-Duell: Merkel findet spät zu ihrer Form
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