40.000
  • Startseite
  • » Berliner Büro
  • » Kommentare aus Berlin
  • » Kommentar: Rentenpaket hilft nur einigen ein bisschen
  • Aus unserem Archiv

    Kommentar: Rentenpaket hilft nur einigen ein bisschen

    Die Große Koalition macht sich nun ernsthaft daran, die Reserven der Rentenkasse zu verteilen. Dass das Paket mit seinen vier Bestandteilen aus abschlagsfreier Rente ab 63, mehr Mütter- und Erwerbsminderungsrente und mehr Geld für Reha-Leistungen noch scheitert, ist so gut wie ausgeschlossen.

    Rena Lehmann
    Rena Lehmann

    Rena Lehmann zur Debatte um die Rente

    Der Wirtschaftsflügel der Union wird sich bei der Rente mit 63 am Ende vielleicht gesichtswahrend der Stimme enthalten. Mehr Widerstand ist gegen das in der Summe zukunftsvergessene Paket aber nicht mehr zu erwarten. Für die Bekämpfung der Altersarmut etwa, die Union wie SPD vor der Bundestagswahl noch so wichtig war, wird schlicht kein Geld mehr übrig sein.

    Experten gehen davon aus, dass das Paket schon in wenigen Jahren nicht mehr aus der Beitragskasse zu stemmen ist, sondern aus Steuerzuschüssen mitfinanziert werden muss. Noch vor einem Jahr allerdings schien nichts drängender, als eine Mindest- oder Solidarrente für Geringverdiener zu schaffen. Statt gezielt etwas für besonders bedürftige Gruppen zu tun, verteilen Union und SPD aber lieber hier und dort ein wenig. Die Kassen werden dabei leer, geholfen ist am Ende niemandem grundlegend. Es besteht ja gar kein Zweifel daran, dass Mütter, die ihre Kinder vor 1992 zur Welt gebracht haben, bisher schlechter gestellt sind als jüngere Mütter. Das ist ungerecht.

    Aber von dem Rentenpunkt in Höhe von rund 28 Euro pro Kind monatlich mehr wird niemand aus der Altersarmut befreit. Auch die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren ist ein mindestens seltsames Signal an die junge Generation, die gerade erst gelernt hat, dass sie länger arbeiten muss und der früher geltende Ruhestand mit 65 Jahren für sie Geschichte ist. Die Zahl der geschätzten Betroffenen, die diese Möglichkeit in Anspruch nehmen können und wollen, steigt aber offenbar stetig. Auch von der Rente mit 63 werden kaum Geringverdiener und Hilfsarbeiter profitieren. Sie kommt vor allem langjährigen, gut ausgebildeten - und gut verdienenden - Facharbeitern zugute.

    Union und SPD müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die gut gefüllte Rentenkasse nach dem Gießkannenprinzip verteilen und ihrer jeweiligen Klientel ein wenig unter die Arme greifen. Das erste große Projekt dieser Großen Koalition wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihr teuerstes werden. Es setzt darauf, dass die Wirtschaft weiter floriert und es wenige Arbeitslose gibt. Auch das ist noch ein Risiko für die Schlussrechnung.

    E-Mail: rena.lehmann@rhein-zeitung.net

    Die vier Eckpunkte des Rentenpakets Kosten: Rente mit 63 bleibt umstritten Rente: Große Koalition packt erste Großbaustelle an
    Kommentare aus Berlin
    Meistgelesene Artikel