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    BerlinTil Schweiger ist Anerkennung des Feuilletons egal

    Til Schweiger hat es wieder getan - einen Film zusammen mit der eigenen Tochter zu drehen. Dieses Mal stand die 15-jährige Luna Schweiger mit ihm vor der Kamera.

    Schutzengel
    Til Schweiger und Moritz Bleibtreu (r) geben bei der «Schutzengel»-Premiere fleißig Autogramme.
    Foto: Hannibal - DPA

    In «Schutzengel» will er die Kinozuschauer zwar auch zum Lachen bringen, sein eigentliches Thema aber ist, wie sich Menschen verändern, die als Soldaten im Kriegseinsatz waren. Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach der 48 Jahre alte Schauspieler über Schießen mit scharfer Munition, seinen Besuch in Afghanistan und sein zerrüttetes Verhältnis zur deutschen Filmkritik.

    Zuletzt haben Sie viele romantische Komödien gemacht, jetzt greifen Sie zur Waffe. Warum?

    Til Schweiger: «Der Hintergrund ist, dass ich einen Soldaten kennengelernt habe, der mir viel von seinem Leben, seinen Einsätzen erzählt hat. Wir haben uns richtig eng angefreundet. In diesen langen Gesprächen ist dann der Wunsch entstanden, einen Film zu machen über einen ehemaligen Soldaten, vor allem über das Thema: Was passiert mit dem Menschen, wenn er aus dem Krieg zurückkommt?»

    Sie haben für den Film ein Waffentraining absolviert. Wie war das für Sie?

    Schweiger: «Anstrengend, ich habe eine Woche lang im tiefsten Winter im Wald an der Grenze zwischen den USA und Kanada trainiert. Paul, der besagte Freund, hat mir beigebracht, mit allen möglichen Waffen zu schießen mit echter Munition, da ist man abends richtig fertig.»

    Sie sind auch nach Afghanistan geflogen, um den fertigen Film dort deutschen Soldaten zu zeigen. Warum hat es Sie so interessiert, was die echten Soldaten dazu sagen?

    Schweiger: «Paul hat britischen Soldaten einen Ausschnitt von 20 Minuten gezeigt. Und danach hat er mich angerufen und gesagt: "Til, die haben geweint, die haben gelacht, waren ganz fasziniert und haben gesagt, dass sie den Film dann auf Englisch sehen wollen." So kam die Idee, ihn auch in Afghanistan zu zeigen.»

    In den Trailer für den Film haben Sie Interviews mit Soldaten aufgenommen. Das wurde kritisiert. Was sagen Sie dazu?

    Schweiger: «Es wird ja immer alles kritisiert. Wenn ich auf die Frage, was ich beim "Tatort" ändern würde, irgendwas sage, dann schlägt das riesige Wellen und du denkst: Haben wir keine anderen Probleme in unserem Land? Es gibt halt ein paar Leute, die bauschen alles auf. Dass wir aus den Interviews mit Soldaten einen Trailer gebaut haben, das war anfangs gar nicht geplant. Das war meine Idee, sie entstand erst nach einiger Zeit. Der Verteidigungsminister ist ja gefragt worden, wieso die Bundeswehr Werbung für Til Schweiger macht. Und er hat gesagt: "Das ist genau andersherum, er macht Werbung für uns."»

    Also Werbung für die Bundeswehr?

    Schweiger: «Der Film sagt ja nicht: "Los, ihr müsst euch verpflichten, dient unserem Land." Es ist eher das Gegenteil, ein Film der sagt: "Überleg' dir das zweimal, ob du wirklich Soldat werden willst." Aber der Film nimmt den Soldaten eben auch ernst und glorifiziert ihn nicht einfach als Helden. Das ist ja kein Werbevideo, wo im Sonnenuntergang die US-Marines in Zeitlupe aus dem Helikopter springen.»

    Nun hätten sie über traumatisierte Soldaten aber auch einen Film mit weniger Action machen können.

    Schweiger: «Ja, klar hätte ich auch ein Kammerspiel machen können mit einem traumatisierten Soldaten. Darauf hatte ich aber keine Lust. Das mach ich dann vielleicht beim nächsten Mal. Wir erfinden jetzt den Film nicht neu, aber einen solchen Film wie "Schutzengel" hat es in Deutschland noch nicht gegeben.»

    Ist «Schutzengel» eine Action-Komödie mit vielen Emotionen, oder wie würden Sie ihn beschreiben?

    Schweiger: «Es ist schwer ihn zu beschreiben, eine Komödie ist es jedenfalls nicht, obwohl es viel zu lachen gibt. Ich finde es aber auch schade, wenn man Filme in eine Schublade stecken muss. Das ist genau der Film, den wir machen wollten. Ich als Zuschauer finde es toll, wenn ich mal traurig bin, dann aber auch wieder lachen kann. Eigentlich ist es nicht lustig, was der Figur von Moritz Bleibtreu passiert, aber man muss trotzdem lachen. Das ist auch wichtig in einem solchen Film.»

    Erhoffen Sie sich mit dem ernsten Thema von der Filmkritik mehr Anerkennung als für Ihre Komödien?

    Schweiger: «Nein, ich erhoffe mir überhaupt nichts, außer dass dem Publikum der Film genauso gut gefällt wie uns. Das Verhältnis Feuilleton/Til Schweiger, das wird nix mehr, das passt nicht zusammen. Wir haben unterschiedliche Erwartungen ans Kino. Deswegen habe ich auch vor Jahren schon gesagt: Ich zeige euch meine Filme nicht mehr vorab. Wenn ihr den Film niedermachen wollt, dann geht ins Kino und blendet aus, dass um euch herum 700 Leute sitzen, die sich totlachen.»

    Und die Anerkennung...?

    Schweiger: «Ich sehne mich nicht nach der Anerkennung des Feuilletons, wie der "Spiegel" schreibt. Ich weiß, dass ich sie nicht bekomme und das ist okay.»

    Wieder spielt eine Ihrer Töchter, Luna Schweiger, an Ihrer Seite. Wie kam das: Hat sie gesagt: Meine kleine Schwester durfte in «Kokowääh», jetzt will ich auch. Oder haben Sie gesagt: Das wäre ein tolle Rolle für sie?

    Schweiger: «Das Letztere. Meine Kinder haben noch nie gesagt: "Warum darf ich nicht, sie durfte..." Zwei meiner Kinder haben auch gar keine Lust, zu schauspielern. Nein, ich bin auf sie zugegangen und habe ihr das Drehbuch geschickt. Sie hat dann zurückgeschrieben: "Papa, das Drehbuch ist so geil." Und dann habe ich gesagt: "Was hältst du davon, wenn du die Rolle spielst?" Dann hat sie lange hin und her überlegt, ziemlich lange, ich hab dann gesagt: "Du musst dich entscheiden, weil ich anfangen will zu drehen. Wenn du das nicht möchtest, dann bin ich zwar ein bisschen traurig, aber es wäre völlig ok, weil ich dich zu nichts überreden will." Und dann hat sie gesagt: "Ok, ich mach's".»

    Und auch mit Ihrer Tochter Emma stehen Sie wieder vor der Kamera - für «Kokowääh 2». Wie geht die Geschichte weiter?

    Schweiger: «Das ist eine lupenreine Komödie, die trotzdem viele Emotionen bereithält. Es kommt heraus, dass die Patchwork-Family, die am Ende des ersten Teils so perfekt wirkt, gar nicht so perfekt ist. Es gibt jede Menge Reibereien und Konflikte - und das ist in meinen Filmen dann immer sehr witzig. Und "Kokowääh 2" wird richtig, richtig witzig.»

    Interview: Dirk Steinmetz, dpa

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