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    Superheld aus der Gosse: „Jeeg Robot“ auf DVD

    Super- und Comic-Helden überfluten momentan das Kinos. Und da kommt plötzlich ein kleiner Film aus Italien daher, der das Genre gehörig aufmischt.

    Sie nannten ihn Jeeg Robot
    Enzo (Claudio Santamaria) faltet die Heizung.
    Foto: Pandastorm Pictures - dpa

    Berlin (dpa). Wenn jemand angeschossen aus dem 9. Stock eines Hochhauses auf den Beton knallt und den Sturz unbeschadet überlebt, dann kann da was nicht stimmen.

    Der Kleinkriminelle Enzo (Claudio Santamaria) legt diesen Abflug hin, der nur der Auftakt zu einem unglaublichen Höhenflug ist. Zufällig ist der ziemlich heruntergekommene Ganove, der sich mit Uhrenklau über Wasser hält, mit radioaktivem Material in Berührung gekommen und verfügt seitdem über Superkräfte, die er zunächst an seiner Heizung ausprobiert, die er hübsch zusammenfaltet.

    Denkt man an das italienische Kino, dann fallen einem vielleicht die Ikonen Fellini und Pasolini oder auch das Kunstkino von Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza“) ein, aber Italien hat eine Menge mehr zu bieten, wie die preisgekrönte Groteske „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ (Pandastorm Pictures/Pandastorm/Edel) von Gabriele Mainetti, die jetzt auf DVD/Blu-ray erschienen ist, beweist.

    Der Glamour gängiger Superhelden-Action aus Hollywood fehlt gänzlich in „Jeeg Robot“. Enzo lebt in einer heruntergekommenen Bude, schaut Pornos, hat keine Freunde und der Kühlschrank ist leer. Und was fängt Enzo mit seinen Superkräften an? Die Menschheit retten oder Beschützer Roms werden? Keine Spur. „Menschen machen mich krank“, sagt Enzo, der lieber einen Geldschrank aus der Wand reißt als für das Gute und Edle einzustehen. Einmal Ganove - immer Ganove?

    Ein Superheld sieht anders. Und auch seinem schmutzigen Milieu, in dem die Mafia das Sagen hat und der durchgeknallte Gypsy (Luca Marinelli) seinen Größenwahn pflegt, kann Enzo nicht entkommen. Regisseur Mainetti zeigt nicht das strahlende Rom, er zeigt das Rom der heruntergekommen Hinterhöfe und tristen Betonblocks, wo Gewalt die vorherrschende Sprache ist. Es wird viel geschossen, geprügelt und erschossen.

    Wäre da nicht die zart keimende Liebesbeziehung Enzos zu der ziemlich verwirrten Alessia (Ilenia Pastorelli), die in einer Manga-Welt mit Prinzessinnen und Rittern lebt, und die den „Helden“ auf einen anderen Weg bringt. Ausgerechnet seine Superkräfte ermöglichen schließlich Enzos „Menschwerdung“, der die Fähigkeit zur Empathie erst langsam erlernen muss. Aus dem Held mit Macken kann tatsächlich ein richtiger Held werden.

    Mehr Neorealismus als Hollywood-Action: Mit seinem Spielfilmdebüt verwebt der italienische Regisseur Gabriele Mainetti geschickt den Ganovenalltag mit Fantasy-Elementen, um eine zutiefst menschliche und zu Herzen gehende Geschichte zu erzählen, die wunderbar skurrile Momente hat.

    Sie nannten ihn Jeeg Robot,Italien 2015, 108 Min., FSK ab 16, von Gabriele Mainetti, mit Claudio Santamaria, Luca Marinelli, Ilenia Pastorelli

    Sie nannten ihn Jeeg Robot

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