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    BerlinDas Kino entdeckt die hohe Kunst

    Der Maler Gerhard Richter streicht die Farben mit dem Pinsel satt auf die Leinwand, der Bildhauer Anselm Kiefer führt durch sein Kunstareal in Südfrankreich, der Dirigent Sir Simon Rattle treibt die Berliner Philharmoniker zu Höchstleistungen an - und irgendeiner raschelt im Kino mit der Popcorn-Tüte.

    Gerhard Richter
    Gerhard Richter arbeitet in einer Szene des Kinofilms «Gerhard Richter - Painting» am Gemälde «Gelbes Bild».
    Foto: Piffl Medien - DPA

    Anselm Kiefer
    Szene aus dem Film «Over Your Cities Grass Will Grow».
    Foto: Mindjazz Pictures - DPA

    Die Welt der Künste ist auf der Großleinwand angekommen. In den Kinos stehen Filme über Künstler dieses Jahr hoch im Kurs, von Dokumentarstücken über Richter, Kiefer oder die Schauspielerin Charlotte Rampling bis hin zu 3D-Spektakeln wie dem Tanzfilm «Pina» oder Konzerten der Berliner Philharmoniker.

    Charlotte Rampling
    Charlotte Rampling in einer Szene des Filmes «The Look».
    Foto: Piffl Medien - DPA

    Nur Zufall oder hat die Filmwelt die Kunst für sich entdeckt? «Die Kunst hat die ganze Welt zum Gegenstand», antwortet die Kölner Filmemacherin Corinna Belz. Sie hat den Dokumentarfilm «Gerhard Richter Painting» gemacht, der gerade in den Kinos läuft. Belz kann sich gut vorstellen, dass die Welt der Kunst und Künstler künftig häufiger in die Lichtspielhäuser kommt. In den Filmen könne man die Umsetzung künstlerischer Prozesse sehen. Solch ein Einblick sei selten und gerade deshalb reizvoll, findet die Regisseurin.

    Gerhard Richter
    Gerhard Richter arbeitet in einer Szene des Kinofilms «Gerhard Richter - Painting» am grünen Bild.
    Foto: Piffl Medien - DPA

    So gewährt der «Gerhard Richter»-Film Einblicke in das Schaffen eines Künstlers, der Interviews und Kameras scheut, sich selbst und sein Werk nicht erklären will - und gerade deshalb für viele so interessant ist. Ähnlichen «Schlüssellochcharakter» hat «The Look» von Angelina Maccarone: Die Dokumentar-Biografie über die britische Schauspielerin Charlotte Rampling zeigt einen legendären Weltstar in persönlichen, zum Teil sehr intimen Gesprächen mit Freunden. Und Sophie Fiennes' «Over Your Cities Grass Will Grow» nimmt die Zuschauer mit in den Alltag des berühmten Malers und Bildhauers Anselm Kiefer.

    Hinter die Kulissen der Kunst- und Filmwelt zu blicken, reizt nach Meinung des Sprechers der Deutschen Filmförderungsanstalt FFA, Thomas Schulz, die Menschen - und soll sie ins Kino locken. «Künstler sind hochinteressante Menschen. Die Filme bringen Einblicke ins Bühnengeschehen und Backstage, die Normalsterbliche nicht zu sehen bekommen.»

    Neu seien Filme über kreative Schöpfer aber nicht, meint er. Legendär etwa ist der filmische Versuch, dem Jahrhundertmaler Picasso näher zu kommen. Daran hat sich der französische Filmemacher Henri-Georges Clouzot im Jahr 1955 mit «Le Mystère Picasso» gewagt. Auch in der Musik spürten Filmemacher den Künstlern schon nach: Martin Scorsese etwa in «Shine A Light» (2008) den Rolling Stones oder Tom DiCillo in «When you're strange» (2009) dem Sänger Jim Morrison und der Band The Doors.

    Petra Müller, Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW, sieht aktuell einen Trend zu Filmen über Künstler im Kino. Die Stiftung hat die Werke über Rampling, Kiefer und Richter ebenso wie Wenders' 3D-Hommage «Pina» unterstützt. Neue Förderanträge mit ähnlichen Themen liegen bereits auf ihrem Tisch. «Biografie ist im Kino angekommen», sagt Müller. Der Reiz der Filme liege in der Konzentration auf den Künstler als schöpferisches, selbstbestimmtes Individuum.

    Auch der Filmexperte Prof. Heiner Stadler von der Hochschule für Film und Fernsehen in München kann sich vorstellen, dass sich Filmemacher und Künstler weiter gegenseitig inspirieren. Die breite Masse ins Kino zu locken, traut er jedoch eher 3D-Projekten wie den verfilmten Konzerten der Berliner Philharmoniker zu, als einem Streifen wie der Richter-Doku, die im Grunde selbst ein eigenes Kunstwerk ist.

    FFA-Sprecher Schulz sieht in den 3D-Filmen über die Philharmoniker oder das Tanztheater von Pina Bausch zudem den Versuch, eine kulturinteressierte Zielgruppe ins Massenmedium Kino zu locken - und zugleich die Welt der hohen Künste der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Er verweist dabei auch auf Ballett- und Opernaufführungen, die dank modernster digitaler Technik immer öfter auf die Kinoleinwand gebracht werden. «Über diesen Weg finden Künstler und Inhalte ins Kino, die früher undenkbar gewesen sind.»

    Homepage «Gerhard Richter Painting»

    Homepage «The Look»

    Hompage «Berliner Philharmoniker in Singapur a Musical Journey in 3D»

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