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    Benoît Jacquot wird 70: Erforscher der Weiblichkeit

    Benoît Jacquot hat eine Schwäche für Literaturverfilmungen - und für Isabelle Huppert. Auch der nächste Film des Regisseurs basiert auf einem Roman und ist mit Frankreichs Leinwandstar besetzt.

    Benoît Jacquot
    Der französische Regisseur Benoît Jacquot feiert seinen 70. Geburtstag.
    Foto: Tim Brakemeier - dpa

    Paris (dpa).  Von Dostojewski bis Don DeLillo: Benoît Jacquot gehört zu den produktivsten Filmemachern seiner Generation. Seit 1975 dreht er im Durchschnitt alle zwei Jahre einen Film, darunter zahlreiche Literaturverfilmungen. Denn der gebürtige Pariser ist eine ausgesprochene Leseratte.

    Ein Drittel seines Lebens habe er Büchern gewidmet, sagte er in einem Interview. Schon in jungen Jahren begann er damit. „Statt mit anderen Kindern zu spielen, habe ich gelesen“, erzählte der Regisseur, der an diesem Sonntag (5. Februar) 70 Jahre alt wird.

    Bereits in „L’Assassin musicien“, seinem ersten, im Jahr 1975 gedrehten Film, greift Jacquot auf einen Roman zurück. Bei der Geschichte über einen jungen Musiker, der nach Paris kommt und dort allmählich dem Wahnsinn verfällt, diente ihm die Novelle „Weiße Nächte“ des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski als Inspirationsquelle.

    Bei „A jamais“ (2016) hat sich Jacquot sogar an „Körperzeit“ des amerikanischen Schriftstellers und Sprachvirtuosen Don DeLillo gewagt. Der 2001 veröffentlichte Roman handelt vom Terror der alltäglichen Routine eines Ehepaars. Die rätselhafte Prosa des Zeitdiagnostikers gilt als schwer verfilmbar.

    Jacquot hat bei seiner Literaturauswahl keine Präferenzen. Er hat keinen thematischen Schwerpunkt, denn die Bücher dienen ihm als Arbeitsinstrument, wie er in dem Interview erzählte. So drehte er 1998 „Die Schule des Begehrens“ nach dem Roman „Nikutai no gakkō“ von Mishima Yukio. Jacquots Film handelt von einem Liebespaar, das sich gegenseitig zerfleischt. In der Titelrolle spielt Isabelle Huppert. Sie verkörpert die Geschäftsfrau Dominique, die sich nach Liebe verzehrt und den bisexuellen Stricher Quentin überredet, sich von ihr aushalten zu lassen. 

    Der Franzose gehört mit seinen Literaturverfilmungen und Adaptionen zu den Stammgästen der Berlinale. Im Jahr 2012 eröffnete er das Internationale Filmfestival mit „Leb wohl, meine Königin“, einer Geschichte über Marie Antoinette und die Macht. Die Historienverfilmung ist eine Adaptation des Romans der Französin Chantal Thomas. Und 2015 feierte er in Berlin mit „Tagebuch einer Kammerzofe“ nach einem Roman von Octave Mirbeau aus dem Jahr 1900 Premiere.

    Seine Protagonisten sind vor allem Frauen. „Ich liebe es, die Weiblichkeit einer Person zu erforschen“, sagte er einmal. Neben Virginie Ledoyen, Isild Le Besco und Léa Seydoux dreht er vorzugsweise mit Isabelle Huppert.

    Der französische Leinwandstar wird auch in „Eva“ wieder vor der Kamera stehen. Sein neuer Film ist eine freie Adaptation des Romans von James Hadley Chase. Das Beziehungsdrama des Engländers wurde 1962 erstmals verfilmt. Damals spielte Jeanne Moreau die Titelrolle.

    Jacquots Filme sind schwer einzuordnen. Sie sind diskret, klassisch und gleichzeitig modern. Am treffendsten hat wohl der französische Filmkritiker Jean-Michel Frodon den Filmemacher definiert. Jacquot glaube sehr stark an die Wirklichkeit, sehr stark an die Literatur und sehr stark an das Unterbewusstsein, schrieb Frodon in der Fachzeitschrift „Les Cahiers du cinéma“.   

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