40.000
  • Startseite
  • » Kino & TV
  • » Kinonews
  • » Abtreibung und Flüchtlingsleid - aufrüttelnde Filme
  • Aus unserem Archiv

    BerlinAbtreibung und Flüchtlingsleid - aufrüttelnde Filme

    Sie provozieren ganz bewusst - denn sie wollen aufrütteln und aufklären. Die Erfurter Filmemacherin Anne Zohra Berrached schickte am Sonntag ihr mutiges Spätabtreibungsdrama «24 Wochen» in den Wettbewerb um den Goldenen Bären.

    24 Wochen
    «24 Wochen» auf der Berlinale. Mit dabei: Bjarne Mädel (l-r), Julia Jentsch, Emilia Pieske, Anne Zohra Berrached, Johanna Gastdorf.
    Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Der Italiener Gianfranco Rosi erschütterte das Publikum der 66. Berlinale mit seiner Dokumentation «Fuocoammare» (übersetzt: Feuer auf See) über das Flüchtlingssterben im Mittelmeer.

    Zwei Filme über Leben und Tod, die den Zuschauer zu einer Reaktion herausfordern.

    In «24 Wochen» spielt Julia Jentsch («Sophie Scholl - Die letzten Tage») eine im sechsten Monat schwangere, erfolgreiche Kabarettistin. Als sie und ihr Mann (Bjarne Mädel/«Mord mit Aussicht») erfahren, dass das ungeborene Kind das Down-Syndrom und einen schweren Herzfehler hat, stellt sich die werdende Mutter die Frage: Soll ich mein krankes Kind abtreiben?

    «Deutschland hat im europäischen Vergleich eine eher liberale Regelung des Schwangerschaftsabbruchs, darüber kann und muss man reden», sagt die 33-jährige Berrached, deren Regiearbeit der einzige deutsche Film im Berlinale-Wettbewerb ist. «Wenn sich die Frau physisch oder psychisch nicht in der Lage sieht, das behinderte Kind zu bekommen, darf man es bis zum Einsetzen der Wehen abtreiben», so Berrached. «Der technische Fortschritt und die immer bessere Diagnostik hat zur Folge, dass wir dann manchmal vor Entscheidungen stehen, für die es keine moralischen Richtlinien gibt.»

    Für «24 Wochen» standen die Schauspieler zusammen mit realen Ärzten, Pränataldiagnostikern, Hebammen und Beratern vor der Kamera - das verleiht dem Film große Authentizität. «Wenn man in der Situation ist, dann überlegt man, was so eine Diagnose für das Kind bedeutet», so Berrached. «Und natürlich überlegt man auch, was das für einen selbst bedeutet. Das ist immer auch eine egoistische Entscheidung.» In ihrem Film gehe es um genau diesen Entscheidungsprozess.

    Heftige Emotionen löste auch Rosis erschütternde Dokumentation «Fuocoammare» aus, die schon jetzt als heißer Kandidat für den Goldenen Bären gehandelt wird. Der Regisseur erzählt vom Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa, die seit Jahren Ziel Hunderttausender Bootsflüchtlinge ist. «Mir geht es darum, eine Tragödie zu zeigen, die sich vor unser aller Augen abspielt. Wir tragen alle die Verantwortung dafür», sagte Rosi. «Ich denke, was dort passiert, ist nach dem Holocaust eine der größten Tragödien der Menschheit.»

    Der Film kontrastiert idyllische Szenen vom Alltag der italienischen Inselbewohner mit Momenten, die das Grauen der Flucht auf kleinen, völlig überfüllten Booten zeigen. Dabei blickt die Kamera auch auf Sterbende. «Ich zeige, was passiert. Ich zeige nichts als die Wirklichkeit», sagte Rosi, der 2013 für «Sacro Gra - Das andere Rom» den ersten Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig für einen Dokumentarfilm gewann. Rosi lebte längere Zeit auf Lampedusa, um seinen Film zu drehen.

    Neben «Fuocoammare» zeigt die Berlinale (bis 21. Februar) zahlreiche weitere Regiearbeiten über das Schicksal von Geflüchteten. In «Havarie» (Forum-Reihe) erzählt der deutsche Filmemacher Philip Scheffner von einem realen Vorfall, der sich im September 2012 vor der spanischen Küste im Mittelmeer ereignete. Dort blicken Touristen von einem Kreuzfahrtschiff plötzlich auf ein kleines Schlauchboot voller Menschen - und umgekehrt. Grundlage von Scheffners Film ist eine kurze Videosequenz, die ein irischer Kreuzfahrt-Tourist damals tatsächlich aufnahm.

    In «Meteorstraße» (Generation-Reihe) von Aline Fischer geht es um den 18-jährigen Mohammed, der aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet ist - und hier zwischen Kriegserinnerungen und schwierigem Alltag nach Orientierung sucht. Den Ursachen der Flucht so vieler Syrer und der Radikalisierung junger Europäer folgt der französische Filmemacher Rachid Bouchareb in «La Route d'Istanbul». Eine belgische Mutter macht sich darin auf die Suche nach ihrer 20-jährigen Tochter, die sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat anschließen will.

    Um die sogenannten Green-Card-Soldiers geht es in «Soy Nero», dem Wettbewerbsfilm des aus dem Iran stammenden Filmemachers Rafi Pitts («Zeit des Zorns»). Der mit deutscher Beteiligung entstandene Film erzählt von einem jungen Mexikaner, der in den USA ein neues Leben beginnen will und dafür einen hohen Preis zahlt. Er meldet sich bei den Amerikanern freiwillig zum Militärdienst, um schnell eine Green Card zu bekommen - und kämpft am Ende mit dem Maschinengewehr in der Hand für seine neue Staatsbürgerschaft.

    Programm Berlinale

    Infos rund um die Tickets

    Berlinale bei Facebook

    Berlinale bei Instagram

    Berlinale bei Youtube

    Berlinale bei Twitter

    Kinonews
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!