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    Hamburg«True Story»: Zwei Egomanen auf Wahrheitssuche

    Selbstverliebt erhascht Starreporter Michael Finkel (Jonah Hill) in der U-Bahn einen Blick auf das neueste Cover des «New York Times»-Magazins mit seiner Titelgeschichte. Er wähnt sich schon für den Pulitzer-Preis nominiert. Wenig später muss er vor seinen Chefs zu Kreuze kriechen.

    True Story - Spiel um die Macht
    Der mutmaßliche Mörder Christian Longo (James Franco) in «True Story».
    Foto: 2015 Twentieth Century Fox/dpa

    Bei seinem jüngsten Artikel hat es der erfolgsverwöhnte Michael mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen - um der Geschichte willen, versteht sich. Seinen Job ist er trotzdem los, seinen guten Namen auch. Den macht sich ausgerechnet der mutmaßliche Mörder Christian Longo (James Franco) bei seiner Verhaftung zu eigen. Michael wittert seine Chance: auf eine große Story und seine eigene Rehabilitation.

    Es ist ein Geflecht aus vermeintlichen Wahrheiten, um Geschichten, Fiktion und Realität, die der britische Theaterregisseur Rupert Goold in seinem Kinodebüt «True Story - Spiel um Macht» entwirft. Nach den Memoiren des Journalisten Michael Finkel schafft er zwei Figuren, die nach und nach eine fast symbiotische Beziehung entwickeln. Hier, der aus eigener Schuld gedemütigte und zugleich auch geschmeichelte Michael. Dort der gebildete und mitunter reumütige Chris, der seine Frau und seine drei Kinder umgebracht haben soll.

    Auf die Frage, warum er ausgerechnet den Namen Michaels bei seiner Verhaftung gewählt hat, erwidert Chris: Er habe alle Texte von Michael gelesen, bewundere ihn für dessen Eloquenz und «Als ich Michael Finkel war, war ich glücklich wie schon lange nicht mehr». Wer würde sich da nicht geschmeichelt fühlen - auch wenn es Worte eines mutmaßlichen Mörders sind. Die beiden schließen einen Deal: Chris gewährt Michael Exklusiv-Rechte an seiner Geschichte, im Gegenzug bringt Michael ihm das Schreiben bei, gemeinsam schreiben sie ein Buch über den Fall.

    Es sind zwei eitle Gestalten, die da aufeinanderprallen, wobei schnell klar wird, wer die Strippen in diesem Spiel zieht: Chris vereinnahmt Michael. Er ist es plötzlich, der die Fragen stellt, den erfahrenen Reporter manipuliert und so Sätze sagt, wie «Sie wurden ja auch zum Lügner verurteilt». Chris schleicht sich in Michaels Leben ein, will alles von ihm und seiner Freundin (Felicity Jones) wissen, ruft diese sogar an und beteuert, welch guter Freund ihm Michael geworden ist. Das alles hat durchaus Psychothrillerqualitäten, doch sowohl die beiden Hauptdarsteller als auch Regisseur Goold tragen allzu dicke auf.

    Franco, wie er eiskalt und doch rührselig aus seiner orangen Knastkleidung aus der Wäsche guckt, wohlüberlegt eloquent, mitunter ganz sympathisch erzählt und sich vor Michael doch immer wieder klein macht. Hill, der so verzweifelt geradezu jämmerlich die Wahrheit sucht - einzig von der eigenen Eitelkeit getrieben. Fast kammerspielmäßig muten die Gespräche in dem grellweißen Besucherraum des Gefängnisses an, dagegen rustikal und gemütlich das Haus von Michael und seiner Freundin in der Pampa des Mittleren Westens. Zwei ungleiche Männer aus verschiedenen Welten, mit einem vermeintlich gleichen Schicksal, haben sie doch beide mit einem Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen.

    Keiner dieser Protagonisten ist sonderlich sympathisch und schon gar keine Identifikationsfigur. Allzu schnell spürt der Zuschauer, dass Chris ein falsches Spiel spielt, lässt sich aber immer mal wieder auf die falsche Fährte führen. Das macht eine gewisse Spannung aus.

    Zum Schluss aber bleibt ein sehr schaler Nachgeschmack. Schreibt das Leben doch nicht die besten Geschichten, brauchen wir die Fiktion, um uns unsere Welt zu basteln? Fragen, die sicher von erkenntnistheoretischer Bedeutung sind, in der wahren Geschichte «True Story» dann aber doch einer allzu ambitionierten Inszenierung zum Opfer fallen.

    True Story

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