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    Berlin«The Visit»: Das Monster im Schaukelstuhl

    Es wäre eine Idylle wie in einer Cornflakes-Werbung, wenn nicht am Ende so viel Blut fließen würde. Da sind der Schaukelstuhl, das prallvoll gefüllte Bücherregal und ein zugeschneites, schönes Haus in der US-Provinz. Eine Oma, die gern Kekse backt. Ein Opa, der gemütlich Holz hackt.

    The Visit
    Sind Opa (Peter McRobbie) und Oma (Deanna Dunagan) wirklich so harmlos?
    Foto: Universal Pictures Germany - dpa

    «Sie sind gute Menschen», sagt die alleinerziehende Supermarktverkäuferin Loretta, als sie ihre Kinder zum Bahnhof bringt. Eine Woche bei Oma und Opa, die die Kinder noch nie gesehen haben. Fröhlich beginnt die Reise in dem neuen Mysteryfilm «The Visit». Aber da ist auch die andere Seite: der dunkle Gartenschuppen, der verbotene Keller, das Ausgehverbot in der Nacht. Und: Was in aller Welt macht Oma da?

    Immer tiefer geraten die 15-jährige Rebecca und der 13-jährige Tyler in einen Strudel von merkwürdigen Begegnungen und Schockerlebnissen. Doch ihr Großvater weiß sie immer wieder zu beruhigen, das seien Erscheinungen des Alters. Er muss es wissen, arbeitet er doch als Seelsorger im Krankenhaus. Auch die Mutter, die in der Karibik auf Kreuzfahrt ist, glaubt nur an die übliche Demenz. Aber was ist dran an der Geschichte von dem weißen Monster mit den gelben Augen? Erst als ein Mensch an einem Strick am Baum hängt, wissen die beiden Kinder: Von jetzt an geht es nur noch ums nackte Überleben.

    Der amerikanische Regisseur M. Night Shyamalan ist vielen Zuschauern noch von «The Sixth Sense» und «The Village - Das Dorf» bekannt. Zuletzt war es um ihn eher stiller geworden. Mit «The Visit» will der Amerikaner mit indischen Wurzeln an diese Mysteryerfolge wieder anknüpfen. Von ihm stammt wie schon oft auch das Drehbuch, er finanzierte den Film aus eigenen Mitteln. Nicht nur das eigene Werk plündert Shyamalan dabei. Der Regisseur bedient sich auch stark bei dem Horrorschocker «Blair Witch Project». Genau wie dort filmen hier die Helden mit ihren Videokameras das Geschehen selbst. Nur dass «The Visit» die verwackelte Authentizität von «Blair Witch Project» fehlt, die dessen Grauen überhaupt erst ermöglichte.

    Es ist ein Film mit grandiosen schauspielerischen Leistungen, schönen Schockmomenten, aber auch Durchhängern. Wer einen typischen Shyamalan-Film mag, bei dem es lange plätschert, dann immer öfter die Grenze zum Übersinnlichen gestreift wird, bevor am Ende ein Clou alles in anderem Licht dastehen lässt, wird perfekt bedient. Andere könnte die überfrachtete Handlung stören, in die Shyamalan Horror, Mystery, aber auch Familiendrama, Kalauer und eine diffuse Angst vor alten Menschen - vielleicht Gesellschaftskritik? - gepresst hat.

    The Visit

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