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    „Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“

    Die Malerin Paula Modersohn-Becker musste einen ständigen Kampf zwischen Anpassung und Aufbegehren ausfechten. Ohne Erfolg. Sie wurde erst Jahrzehnte nach ihrem viel zu frühen Tod weltweit als Künstlerin anerkannt. Der Spielfilm „Paula – Mein Leben soll ein Fest sein“ zeigt entscheidende Stationen ihres Lebens.

    Paula
    Kreative Verbindung: Roxanne Duran, Nicki von Tempelhoff und Carla Juri in «Paula».
    Foto: Pandora Film/Martin Menke - dpa

    Berlin (dpa). Schon der Vater von Paula (1876 bis 1907) beharrt darauf, dass Frauen keine Malerinnen sein könnten. Auch der Lehrer in der Künstlerkolonie Worpswede nahe Bremen sieht das so.

    Frauen an der Staffelei sind für ihn nichts als verzogene Dummköpfe, die sich mit dem Malen die Zeit vertreiben. Er und seine Freunde behaupten sogar, dass Frauen ausschließlich zum Kinderkriegen auf der Welt sind.

    Doch die junge Paula Becker lässt sich nicht beirren. Anders als die Männer, die in der Regel mit ihrer Kunst die Wirklichkeit eins zu eins widergeben wollen, malt sie frisch, unkonventionell, eigensinnig. Sie zeigt in ihren Bildern, was sie fühlt. Kaum jemand versteht das. Nur der ungestüme Dichter Rainer Maria Rilke unterstützt sie. Ihr Mann, der verwitwete Maler Otto Modersohn, sieht sie als Gefährtin und Mutter seiner Tochter aus erster Ehe. Immerhin ringt er um Verständnis. Doch er kann ihrer Kunst nichts abgewinnen.

    Regisseur Christian Schwochow („Novemberkind“) spiegelt entscheidende Stationen des Lebens von Paula Modersohn-Becker (Carla Juri) überaus einfühlsam. Die zwischen Worpswede und Paris spielenden Episoden verweben sich zu einem nuancierten Porträt der eigenwilligen Künstlerin, zeichnen genau die gesellschaftliche Atmosphäre der Handlungszeit. Angenehm dezent wird gespiegelt, wie schwer es Individualisten oft gemacht wird, sich zu verwirklichen. Damit hat der Film auch für Heute seine Gültigkeit.

    Die Schweizer Schauspielerin Carla Juri, 2013 bekannt geworden durch die Verfilmung des Skandalromans „Feuchtgebiete“, brilliert in der Hauptrolle. Sie zeigt einen Charakter voller Starrsinn und Weichheit, Kreativität und Selbstsucht, geprägt von künstlerischen Ambitionen einerseits und Selbstzweifel andererseits. Ihr Spiel ist packend und intensiv. Zudem bietet die visuelle Gestaltung einen großen ästhetischen Genuss. Die eigenwillige Moorlandschaft um Worpswede wird wie nebenbei zum Spiegel von Paulas Charakter.

    Regisseur Schwochow setzt auf eine ruhige, ja, elegische Erzählweise. Da stören keine vordergründigen optischen Effekte, kein übermäßiger Musikeinsatz. Die Dialoge sind erfreulich knapp. Das Bild dominiert. Alle filmkünstlerischen Mittel fokussieren schnörkellos auf die Hauptfigur. Dabei fällt es nicht ins Gewicht, dass biografische Details verknappt und Zeitabläufe gerafft wurden, die Episoden um einen Liebhaber in Paris nicht den Tatsachen entsprechen. Entscheidend ist der Blick auf das Ringen Paulas um sich selbst und um ihre Kunst.

    Um den Film genießen zu können, muss man als Zuschauer kein Kunstexperte sein. Paulas Rolle als wesentliche Protagonistin in der Zeit des Übergangs vom Impressionismus zum Expressionismus wird auch ohne Vorwissen eindrucksvoll deutlich. Vor allem fasziniert und fesselt der Film als Porträt einer Frau, die um ihr Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben ringt. Damit wird Paula Modersohn-Becker, wie im überraschenden, raffinierten Schlussbild des Films, ganz selbstverständlich in die Gegenwart geholt.

    Paula – Mein Leben soll ein fest sein

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