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    „Life“ - Sci-Fi-Spektakel mit Jake Gyllenhaal

    Gibt es Leben auf dem Mars? Daniel Espinosas Weltraumhorror-Spektakel „Life“ beantwortet diese Menschheitsfrage mit Ja. Und stellt die These auf: Diese beiden Spezies sollte man lieber nicht aufeinander loslassen.

    «Life»
    Die Astronauten Rory Adams (Ryan Reynolds) und David Jordan (Jake Gyllenhaal) haben einen gefährliche Fracht an Bord.
    Foto: Sony Pictures - dpa

    Berlin (dpa). Science Fiction ist eine beliebte Projektionsfläche für die Hoffnungen und Ängste einer Zeit. Im Hier und Jetzt erzählt rücken einem verstörende Einsichten manchmal arg nah.

    Im Weltall oder in der Zukunft lassen sie sich noch etwas besser auf Distanz halten. Zum Beispiel die Grundschuld des Daseins: Jedes Individuum lebt nur, weil es sich ständig die Überreste anderer Individuen einverleibt.

    Daniel Espinosas Filmspektakel „Life“ führt vor Augen, dass nicht nur Menschen und Tiere schuldig zur Welt kommen - sondern auch jedes Alien. Der Film spielt auf einer recht originalgetreu nachgebauten Internationalen Raumstation (ISS) wenige Jahre in der Zukunft. Dort machen sechs Raumfahrer (Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Hiroyuki Sanada, Ariyon Bakare und Olga Dihovichnaya) die blutige Erfahrung, dass man besser nicht mit einem Elektroschocker an einem rapide wachsenden Super-Zellhaufen vom Mars herumdoktert. Und dass man sich dessen Selbsterhaltungstrieb lieber nicht in den Weg stellt.

    Der Prolog ist noch demonstrativ unbeschwert: Zu optimistischer, weltraum-mystischer Musik (Jon Ekstrand) schweben Kamerablick (Seamus McGarvey) und Raumfahrer kreuz und quer durch die Korridore der ISS. Die mit viel Training und Drahtseilen geschaffene Illusion der Schwerelosigkeit ist perfekt. Schon nach zwei Minuten fällt einem nicht mehr auf, dass die Figuren da kopfüber vor den Bildschirmen sitzen.

    Alle arbeiten im erhebenden Bewusstsein, dass in der ankommenden Marssonde die Antwort auf eine Menschheitsfrage warten könnte: Gibt es außerirdisches Leben? Als die in einem Schockschlaf liegende Kreatur im Brutkasten ist, schaut alles hoffnungsfroh auf das von Schleimpilzen inspirierte Ding, das zu Anfang noch wie ein halbtransparentes Designobjekt aussieht: Es bewegt sich! Geschichte wird soeben geschrieben.

    In schönen Einstellungen schwebt die Crew kontemplativ vor dem Panoramafenster mit Erdblick. „Die ISS ist eins der letzten grund-idealistischen Projekte, das die Menschheit in den vergangenen 50 Jahren auf die Beine gestellt hat“, sagt Regisseur Daniel Espinosa.

    Dann beginnt der letzte Tag der Mission. Es kommt zum Überlebenskampf zwischen den Raumfahrern und dem fremden Wesen. Den größten Teil des Films sieht der Zuschauer dem brutalen Lauf der Natur zu, bei dem einiges an Blut durch die Korridore der ISS schwebt. Auch das ist übrigens schön anzusehen.

    „Das Raumschiff ist voll“ - dieser Stoff ist nicht neu. Doch Espinosa und seine Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick („Deadpool“, „Zombieland“) bringen eine zeitgemäße Aufarbeitung ins Kino. Sie sieht stylisch aus. Sie ist zu aufgeklärt, um einseitig Partei für die Menschen oder das Alien zu ergreifen. Sie erlaubt es sich, philosophisch zu sein und mit einem unversöhnlicheren Ton als zuletzt etwa „Arrival“.

    Gut gespielt ist „Life“ obendrein. Man glaubt den Crewmitgliedern ihre Freude und ihr Entsetzen, ihre Zuneigung zu der Kreatur, später ihren Hass und all das Raumfahrer-Geschwebe dazwischen. Die Kommunikation der eingespielten Crew über Blicke und Mienen ist eine Freude.

    „Der Film ist eine Verneigung vor dem Mut, dem Unbekannten ohne Angst zu begegnen“, erklärt Regisseur Espinosa, der bisher mit Thrillerstoffen aufgefallen ist. „Zugleich verweist er auf die Geschichte der Menschheit - wie wir mit Fremdem umgehen, ist keine glorreiche Geschichte. Die Frage ist also vielleicht nicht, was das Fremde uns antut, sondern was wir dem Fremden antun.“ Darüber kann man mal 103 Minuten nachdenken.

    "LIFE"

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