40.000
  • Startseite
  • » Kino & TV
  • » Filmkritik
  • » «Dom Hemingway»: Jude Law als speckiger Ganove
  • Aus unserem Archiv

    Berlin«Dom Hemingway»: Jude Law als speckiger Ganove

    In höchsten Tönen und geradezu barocker Eloquenz preist ein grober und ungepflegter Kerl in mittlerem Alter (Jude Law), von dem nur der Oberkörper zu sehen ist, sein allermännlichstes Körperteil. Er vergleicht es mit Renoir und Picasso, hält es für friedensnobelpreiswürdig.

    Dom Hemingway
    Übler Bursche: Jude Law als Dom Hemingway.
    Foto: 20th Century Fox/Archiv - DPA

    Der sehr irdische Grund für den verbalen Sternenflug des speckigen Knasthäftlings erschließt sich dem Kinozuschauer schon bald. Mit dieser eindrücklichen Szene beginnt die britische Gangsterposse «Dom Hemingway». Leider hält der Film des amerikanischen Krimispezialisten Richard Shepard nicht wirklich, was sein skurriler Anfang verspricht.

    An Weltstar und Schönling Law (41, «Side Effects») liegt das nicht. Der hatte sich - angeblich unter anderem mittels literweise Cola - 13 Kilo mehr auf die Rippen gehauen und liefert eine bravouröse One-Man-Show. Mit vollem Einsatz, falschen schlechten Zähnen, «gebrochener» Nase und fiesem Bartschnitt verkörpert Law den ungeheuer vitalen, vulgären, aggressiven, gefährlichen, sexlustigen, zartfühlenden und anständigen Tresorknacker Dom Hemingway, der nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Nach einem schief gelaufenen Bruch hatte der Mann mit dem machomäßig klingenden Namen seine Kumpel nicht verraten. Doch nun will er sich beim Ex-Boss einen guten Teil des Geldes abholen, um die Freiheit nach seinem Geschmack zu feiern - mit Alkohol, Koks und jeder Menge leichter Mädchen.

    Also begibt sich Dom mit seinem Freund Dickie (Richard E. Grant) nach Südfrankreich, wo der schwerreiche Mr. Fontaine (Demián Bichir) nun residiert. Und wo eine Nahtoderfahrung auf ihn wartet. Danach will Dom in seiner Vergangenheit aufräumen - und findet sich schnell vor einem Safe wieder. Als weiteres Projekt will der nach wie vor selbstherrliche Sprücheklopfer, dessen Frau während seiner Haft gestorben ist, den Kontakt zu seiner ihm längst entfremdeten Tochter Evelyn wieder aufnehmen. Doch auch dieses Unterfangen gelingt ihm nur schwer, denn der Exzentriker steht sich immer wieder selbst im Weg.

    In farbenfroher Ästhetik, die an britischen Gangsterfilm-Glamour der 60er und 70er Jahre erinnert, und untermalt von poppiger Musik kommt Shepards flott getaktete Komödie daher. Auch die Outfits scheinen dieser Zeit zu entstammen - Doms herausgewachsene Verbrecher-Eleganz oder der Stil seines Gefährten Dickie, der nicht nur wegen seiner Sonnenbrille wie ein gealterter Peter Fonda («Easy Rider») aussieht. Überhaupt erscheint die ganze Geschichte wie betont aus der Zeit gefallen und dabei allzu offensichtlich auf Originalität gebürstet. Die wirkt leider meist mehr behauptet als überzeugend entwickelt. So nutzt sich der Witz von Doms großspuriger Dauerlitanei irgendwann ab.

    Dom Hemingway

    /starline/kino/filmbesprechung/
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!