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    München«Die schwarzen Brüder»: Hartes Kinderschicksal

    «Die schwarzen Brüder» sind ein Jugendbuchklassiker. Seit der Veröffentlichung 1941 haben unzählige Kinder mit den Kaminkehrer-Buben, den Spazzacamini, mitgefiebert, die sich gegen die unmenschliche und gefährliche Arbeit im Mailand des 19. Jahrhunderts auflehnen und als Bande schließlich den Aufstand proben.

    Die schwarzen Brüder
    Moritz Bleibtreu (l) und Fynn Henkel.
    Foto: Martin Valentin Menke/Studiocanal - DPA

    Nun hat sich der Schweizer Xavier Koller gewagt, die Geschichte mit Waldemar Kobus, Moritz Bleibtreu und Sabine Timoteo als deutsch-schweizerische Koproduktion zu verfilmen.

    Allerdings hätte man den Filmemachern mehr Mut gewünscht, dieses Thema für Kinder spannungsreicher umzusetzen und auf die mitunter plakative Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Gut und Böse zu verzichten. Trotz mancher intensiver Momente bleibt vieles an der Oberfläche und wird beschönigt. Statt eines berührenden, packenden Leinwandabenteuers sind «Die Schwarzen Brüder» deshalb eher ein Sozialdrama im Weichspülgang.

    Dass das Buch von Lisa Tetzner und Kurt Held bearbeitet werden musste, liegt auf der Hand, vor allem, weil das karge, aber trotzdem schöne Leben der Hauptfigur Giorgio im bitterarmen Tessin im Original zu viel Raum einnimmt. Der Film führt gleich mitten ins Geschehen: Ein skrupelloser Kinderhändler (Moritz Bleibtreu) nutzt die Not von Giorgios Familie aus und kauft ihnen den Sohn für ein paar Franken ab. In Mailand verhökert er ihn und andere Jungen wie ein Stück Vieh als Arbeitssklaven. Doch unbemerkt planen die Kinder ihre Rache - in den Katakomben unter einer Kirche, wo sie sich nachts immer heimlich treffen. Ein Pater (Richy Müller) will ihnen dabei helfen, ebenso wie Angeletta, die hübsche Tochter von Giorgios Meister.

    Sinnbild für ihre unbändige Sehnsucht nach Freiheit sind die kleinen, gestohlenen Augenblicke, in denen sie rußverschmiert oben aus ihren Kaminen klettern und sich über die Dächer Mailands hinweg einander zurufen. Diese Szenen gehören zu den schönsten. Am eindringlichsten ist der Film aber, wenn Giorgio (Fynn Henkel) auf Befehl seines Meisters in den oft glühend heißen Kaminen hochsteigt, um dicke Schichten Ruß abzukratzen. Eine lebensgefährliche Arbeit, bei der sich der feine Staub in der Lunge ablagert. Kein Wunder, dass so mancher den harten Alltag mit Prügel und schlechtem Essen nicht überlebt. Als Giorgios Freund Alfredo stirbt, ist für seine Freunde die Zeit gekommen, um der Erniedrigung und der Sklaverei ein Ende zu setzen.

    Die schwarzen Brüder

    /starline/kino/filmbesprechung/
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