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    Hamburg«Buried - Lebend begraben»: Nervenzerreißender Thriller

    Für viele Menschen ist es das grauenhafteste Horrorszenario überhaupt: lebendig begraben zu werden. Das passiert im Film «Buried ­ Lebend begraben» einem Entführungsopfer im Irak - der Mann findet sich bei vollem Bewusstsein unter der Erde wieder.

    Ryan Reynolds
    Der kanadische Schauspieler Ryan Reynolds spielt einen lebendig Begrabenen.

    Das spannungsgeladene Drama des spanischen Filmemachers Rodrigo Cortés kommt mit nur einem einzigen Drehort aus: einem Sarg. Menschen mit Platzangst sollten sich gut überlegen, ob sie sich dieses Leinwand-Experiment antun wollen. Warum der Kinoabend dennoch lohnenswert sein kann? Den Zuschauern wird hier viel mehr geboten, als nur ein atemloser Psycho-Trip: ein starker Antikriegsfilm.

    Das Grab im Film ist ein Mahnmal. Es gilt allen «unbekannten Zivilisten», die auf beiden Seiten der Kriegsparteien zu Opfern des Irakkonflikts werden. Eines von ihnen ist Paul Conroy (Ryan Reynolds). Der Lastwagenfahrer erwacht nach einem Angriff auf seinen Hilfsgüterkonvoi in einer Holzkiste unter der Erde. Gefesselt und geknebelt. Er hat nur wenig Luft, ein Feuerzeug, eine Uhr. Sein Schicksal scheint besiegelt. Doch dann findet er zu seinen Füßen ein Handy, das seine Entführer ihm mit in den Sarg gelegt haben. Der Akku ist zu drei Vierteln geladen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

    Conroys Hilferufe werden zu einer bitterbösen (wenn auch etwas länglichen) Karikatur der absurden Kommunikation mit den Sicherheitsdiensten. Er wird von Telefonisten herumgereicht, hängt in Warteschleifen oder trifft auf Unverständnis für seine brenzlige Situation, wenn die Menschen am anderen Ende der Leitung erst einmal seine Sozialversicherungsnummer wissen wollen. Die Kritik gilt dem Mangel an Courage sowie der Angst vor einem internationalen Skandal: Informieren Sie auf keinen Fall die Medien, so der Rat des FBI- Kontaktmanns, drehen Sie kein Opfervideo!

    Die Doppelbödigkeit dieser Außenwelt ist die Stärke des Drehbuchs. Die leeren Hilfsversprechen der Behörden dienen nur dem Ziel, Conroy ruhigzustellen. Alle wollen ihre eigene Haut retten. Deshalb ist die Moral der «Guten» hier letztlich nicht viel besser als die der kriegsgepeinigten kriminellen Iraker. Für sie ist die Lebendbestattung von Lösegeldgeiseln zum florierenden Geschäft geworden.

    Die Gedankenwelt hinter ihrer hasserfüllten Gewaltausübung zeigt sich in einem Dialog zwischen Conroy und seinem Entführer Jabir. Conroy: «Ich bin kein Soldat. Ich bin nur Fahrer. Ich habe eine Frau und ein Kind.» Jabir: «Ich hatte fünf. Jetzt nur noch eins. Nine-Eleven war nicht meine Schuld. Saddam war nicht meine Schuld.»

    Für die Spannung sind dabei der Ton und die Bildsprache sehr wichtig. Selten war die Leinwand so oft und so lange in lichtloses Schwarz getaucht. Die aufwühlende Komposition der Geräusche arbeitet mit Conroys aufgeregten Atemzügen, mit dem Knarzen des Holzes und dem bedrohlichen Rieseln des Sandes, der die Holzkiste allmählich füllt.

    Die Situation des Films mag manch einem Zuschauer recht künstlich erscheinen. Die Panik des amerikanischen Angestellten und Familienvaters aber wird glaubwürdig von Ryan Reynolds, dem Ehemann von Scarlett Johansson, dargestellt. Er wälzt sich trotz seines Images als Hollywood-Schönling in Blut und Dreck; Wut und Angst treiben ihm den Schweiß auf die Stirn, weil Regisseur Cortés ihn ­ nach seinem großen Vorbild Hitchcock ­ immer neue Beklemmungszustände durchleben lässt. Ein nervenzerreißender Thriller.

    www.buried-derfilm.de

    /starline/kino/filmbesprechung/
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