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    Die neue Ernsthaftigkeit des Wayne Rooney

    Burton upon Trent (dpa) - Die Zweifler scheinen Wayne Rooney umso mehr anzustacheln. Mit grimmiger Miene betritt Englands Stürmerstar den Trainingsplatz im St George's Park, setzt in leuchtend-neoorangenen Schuhen gleich beim ersten Kreisspiel zum wilden Tackling an.

    Trainingseifer
    Wayne Rooney (r) geht in den Trainings-Zweikampf mit John Stones.
    Foto: Florian Lüttike - DPA

    Nach zwei enttäuschenden Weltmeisterschaften geht es für Rooney im besten Fußballer-Alter von 28 Jahren in Brasilien um nicht weniger als sein Vermächtnis im Trikot der Three Lions. «Ich will der Welt zeigen, was ich kann», erklärt der Angreifer von Manchester United sein persönliches Ziel für die WM. «Dieses Mal wird es keine Ausreden geben, wenn ich es nicht bringe.»

    Die selbstkritischen Aussagen untermauern die neue Ernsthaftigkeit, die «Wazza» nicht nur im englischen Landregen vor der Glasfassade der noblen Verbandszentrale in der Grafschaft Staffordshire beweist. Vor der EM 2012 hatte er noch mit seinem Spaß-Trip nach Las Vegas Aufsehen erregt, nun folgte ihm sogar ein Physiotherapeut in den kurzen Familienurlaub nach Portugal.

    Doch alle hehren Versprechungen können die Bedenken über einen möglichen erneuten Weltmeisterschafts-Fehlschlag nicht ausräumen. «Ich sage nicht, dass er raus muss - aber wenn seine Form nicht besser wird in den Testspielen oder der ersten Partie bei der WM, wird es interessant sein zu sehen, ob die englische Führung die Eier hat, diese Entscheidung zu treffen», sagte Paul Scholes vor wenigen Tagen.

    Die ManUnited-Legende kennt Rooney als Teamkollege und Assistenztrainer, weshalb seine nun erneuerten Bedenken umso mehr Gewicht besitzen: «England kann sich nicht auf Rooney verlassen. Er konnte nie seine Form beim Club konstant in Länderspielen wiederholen.»

    Zwar erzielte Rooney passable 38 Tore in 89 Partien für die Three Lions, seine acht WM-Auftritte endeten jedoch allesamt torlos. 2006 wurde seine Vorbereitung durch einen Fußbruch behindert, beim Viertelfinal-Aus gegen Portugal sah er Rot. Vor vier Jahren konnte Rooney nach Knöchelproblemen ebenfalls nicht mit vollen Kräften auf der größten Bühne glänzen.

    Auch wenn er seine jüngsten Leistenbeschwerden vor dem WM-Auftakt gegen Italien überwunden hat, stellen neben Scholes weitere Alt-Internationale wie Ian Wright («Rooney muss liefern») oder Michael Channon («Er ist das schwache Glied») die langjährige Ausnahmestellung der Nummer 10 infrage. «Die Nörgler waren immer da, aber so laut wie jetzt waren sie noch nie», heißt es beim britischen TV-Sender Skysports schon zum Frühstück in Dauer-Rotation.

    Wenigstens bei seinen jungen Teamkollegen bröckelt die Hochachtung - zumindest in öffentlichen Aussagen - noch nicht. «Er ist schon so lange dabei, hat Europa- und Weltmeisterschaften erlebt», lobte der als Rooneys Sturmpartner auserkorene Daniel Sturridge (24) dessen Vorbildrolle. «Ich bin nur am lernen mit offenen Ohren, ich nehme alles auf wie ein Schwamm.»

    Ob die nächste Offensiv-Generation noch allzu lange von ihrem Anführer profitieren kann, scheint fraglich. Da Rooney bereits mit 16 im ersten Team des FC Everton gestanden habe, sei sein Zenit überschritten, unkte Scholes. Und auch der Fixpunkt des englischen Angriffsspiels meinte bereits selbst, in Brasilien stehe womöglich «the last big one» bevor - das letzte ganz große Turnier.

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