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    Gestatten: Mein Name ist Carrera

    Carrera ist 14 Jahre alt und Rennfahrerin - nomen est omen, wie man so schön sagt. Wir haben die junge Frau und ihren autobegeisterten Vater besucht.

    In einem Porsche 911 GT3 R wie dem von Timbuli Racing im Porsche Zentrum Koblenz kann sich der ehemalige Rennfahrer Rüdiger Hack seine Tochter Carrera (14) gut vorstellen.
    In einem Porsche 911 GT3 R wie dem von Timbuli Racing im Porsche Zentrum Koblenz kann sich der ehemalige Rennfahrer Rüdiger Hack seine Tochter Carrera (14) gut vorstellen.

    Von unserem Redakteur Damian Morcinek

    Carrera steht für Fahrspaß und Sportlichkeit. Als Rüdiger Hack aus Kettig (Kreis Mayen-Koblenz) 1998 seiner neugeborenen Tochter ebendiesen Namen gibt, hätte der ehemalige Porsche-GT-Fahrer sich nicht träumen lassen, wie sehr der Name, den der Stuttgarter Sportwagenhersteller traditionell nur ganz besonderen Modellen verleiht, und seine eigene Rennfahrervergangenheit Einfluss auf das Leben seines Kindes nehmen würden. Heute, knapp 15 Jahre später, ist Carrera Hack auf dem besten Weg, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Als Nachwuchsrennfahrerin ist sie erfolgreich im Junior-Kart unterwegs. 2014 bestreitet das junge Talent sogar die erste Test-Saison in einem 210 PS starken Formelrennwagen.

    Dabei war es alles andere als der Wunsch des Vaters, dass Carrera einmal im Renncockpit Platz nimmt. Doch das "PS-Gen" in ihr ist einfach zu stark, gehört sie doch einer kleinen Rennfahrerdynastie an. "Mein Großvater ist in den 30er-Jahren bei der Autounion Langstrecken-Rallyes gefahren. Und mein zehn Jahre älterer Bruder Helmut und ich waren im Porsche richtige Rivalen auf der Rennstrecke", berichtet Rüdiger Hack, der sich 1984 seinen ersten Porsche - einen 924 - kauft und bereits ein Jahr später damit beim Autoslalom antritt.

     

    Schnell folgen Rennen auf der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring sowie weitere Porsche-Modelle. "Ich war in ganz Europa unterwegs", sagt Hack, der unter anderem für die Koblenzer Löhrgruppe gefahren ist. Sein Lieblingsporsche war in all den Jahren ein 993 GT2. "Der 993 war der Ur-911er. Der letzte luftgekühlte Rennporsche", schwelgt der 53-Jährige in Erinnerungen. Mit diesem Fahrzeug ist Hack, zu dessen größten Erfolgen ein Meistertitel und sechs Klassensiege auf der Langstrecke gehören, 2001 dann auch an einer Massenkollision bei rund 240 km/h beteiligt. "Wie durch ein Wunder blieb ich unverletzt, aber danach hat mir alles wehgetan." Noch im selben Jahr hängt der Hobbyrennfahrer seinen Helm an den Nagel. Dass die Gefahr im Rennsport ständig mitfährt, darüber ist sich auch Rüdiger Hacks Tochter im Klaren. Carrera war selbst bereits in Unfälle verwickelt. 2008 erleidet sie ihren bislang schwersten, als ihr ein Kontrahent ins Kart fährt, sie sich samt Fahrzeug überschlägt und mit Prellungen ins Krankenhaus gebracht wird. "Unfälle passieren, und die Gefahr kann man nicht wegreden", sagt die 14-Jährige. "Doch wenn man Angst vor dem Tod im Rennauto hat, sollte man erst gar nicht einsteigen. Ich glaube, jeder Rennfahrer sieht das so wie ich."

    Im Alter von acht Jahren absolviert Carrera, die bis dahin mit großen Augen die Pokale und den Fahrerhelm ihres Vaters in der heimischen Vitrine bewundert hat, auf eigenen Wunsch einen Lehrgang für Kart-Slalom beim ADAC Mittelrhein. Von jetzt auf gleich hat sie der Rennsport im Bann. "Es ist wie eine Sucht", betont Carrera - und sie will schnell mehr. Ende 2007 fährt die Kettigerin ihr erstes Rundstreckenrennen in einem Bambini-Kart und einem Corso über die Nordschleife am Nürburgring. "Ich dachte nur: Was tust du deinem Kind an?", erinnert sich Rüdiger Hack daran, dass an dem Tag rund 200 Karts unterwegs waren. "Doch sie hat’s gemeistert", sagt ein stolzer Vater, der seine Tochter auch dafür bewundert, dass sie bereits in jungen Jahren mit beiden Beinen fest im Leben steht.

    2011 erlangt die Nachwuchsrennfahrerin über Nacht Bekanntheit, als sie mit ihrem 25 PS starken Junior-Kart für das TV-Motormagazin "Grip" gegen einen vor 560 PS strotzenden Lexus LFA antritt und gewinnt. Ihre Fangemeinde bei Facebook wächst rasch. Der erste Sponsor klopft an.

    Carrera ist ehrgeizig. Sie will in den Profirennsport. Die Formel Renault in Frankreich ist ihr nächster Schritt dorthin. Und vielleicht fährt sie eines Tages wie ihr Vater einst auch in einem Porsche. "Wo Carrera draufsteht, gehört Carrera eigentlich auch rein", sagt Rüdiger Hack mit einem Lächeln.

     

    Porsche 911
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