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    IslamabadWeltweite Proteste gegen Schmähvideo - Tote in Pakistan

    Wieder Tote und Verletzte am Tag der Freitagsgebete: Ein Anti-Islam-Video aus den USA und bitterböse französische Mohammed-Karikaturen haben in der islamischen Welt erneut Massenproteste und blutige Unruhen provoziert.

    Unruhen in Karachi
    Die Wut über islamfeindliche Äußerungen aus dem Westen wird nicht schwächer. Die USA bemühen sich um Deeskalation. Doch in Pakistan kommt es zu heftigen Unruhen - wie hier in Karachi.
    Foto: Shahzaib A - DPA

    In Pakistan, wo Zehntausende Muslime auf die Straße gingen, eskalierte die Gewalt trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen. Mindestens 16 Menschen starben. Erstmals erreichte die Protestwelle auch Deutschland. In Freiburg und Münster zogen Demonstranten friedlich durch die Stadt.

    Bei den mit Abstand schlimmsten Ausschreitungen in Pakistan starben in der Hafenstadt Karachi nach Polizeiangaben zwölf Menschen, darunter drei Polizisten. 80 Menschen wurden verletzt. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. Im nördlichen Peshawar gab es nach Angaben des Rettungsdienstes vier Tote. Auch ein Mitarbeiter eines Fernsehsenders kam ums Leben.

    In der Hauptstadt Islamabad gelang es der Polizei erst gegen Abend, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen. Zuvor hatten nach Medienberichten Hunderte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel durchbrochen. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Mailk erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.

    Im ostpakistanischen Lahore lieferten sich Demonstranten in der Nähe des US-Konsulats Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Die Kommunikation im Land war schwierig, weil die Regierung in 15 großen Städten zeitweise den Mobilfunkservice ausgesetzt hatte.

    Die Wut der Massen entzündet sich an einem laienhaft produzierten Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz goss das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» weiter Öl ins Feuer und veröffentlichten seitenweise Mohammed-Karikaturen.

    Die USA bemühten sich um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen von dem Schmähfilm. Übertragen von sieben Sendern sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, ihr Land habe mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 50 000 Euro aus.

    Pakistans Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten zuvor zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Das Anti-Islam-Video sei die «schlimmste Art von Bigotterie», sagte Ashraf. Gleichzeitig forderte er die internationale Gemeinschaft auf, Wege zu finden, um Äußerungen zu verbieten, die «Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen».

    Der Sprecher der UN-Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, kritisierte die Mohammed-Karikaturen und das Anti-Islam-Video als boshaft und bewusst provozierend, verurteilte aber die Gewalt.

    In Deutschland verliefen die ersten Proteste friedlich. In Freiburg in Baden-Württemberg demonstrierten am Freitag nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Menschen, die Polizei sprach von rund 900 Teilnehmern. Der Demonstrationszug, an dem viele Frauen und Kinder teilnahmen, wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Auf Transparenten stand «Nein zur Beleidigungsfreiheit» und «Unser Prophet Mohammed ist tabu».

    In der Innenstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen begann ein Protestzug unter dem Motto «Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet» nach Polizeiangaben mit 80 bis 100 Teilnehmern. Kleinere Aktionen gab es auch in Cuxhaven und in Hannover. Für diesen Samstag sind Proteste in Karlsruhe und Dortmund angekündigt.

    Die Bundesregierung sah die Proteste gelassen. «Wir gehen davon aus, dass die Demonstrationen friedlich und besonnen verlaufen», sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.

    Auch in vielen anderen Ländern kam es zu Protesten. Im indischen Teil Kaschmirs gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. In der Regionalhauptstadt Srinagar kam es laut Medienberichten zu Zusammenstößen mit der Polizei.

    In Malaysia zogen nach Polizeischätzungen etwa 5000 Menschen vor der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee auf. In Indonesien waren gepanzerte Polizeifahrzeuge vor der US-Botschaft aufgefahren. In Kabul protestierten Hunderte Afghanen friedlich.

    In Ägypten konnte die radikale Salafisten-Bewegung nicht die Massen mobilisieren. Ein kleiner Trupp von etwa 70 Männern sei am Freitag zur französischen Botschaft in Kairo marschiert, berichtete ein dpa-Reporter.

    Groß war der Andrang dagegen bei einer Protestaktion der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah. Tausende Anhänger marschierten durch die libanesische Stadt Baalbeck.

    Einen Antrag auf Sperrung des Schmähvideos auf YouTube lehnte ein Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien ab. Schauspielerin Cindy Lee Garcia, die in dem Film «Unschuld der Muslime» mitspielt, hatte die sofortige Entfernung von der Internet-Plattform erwirken wollen.

    US-Außenministerium zu Spot der Regierung

    Al-Jazeera-Bericht mit Ausschnitten

    Demonstration

    Start der Demo

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