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    MittelrheinTankerunglück: Polizei meistert Ausnahmezustand

    Seit der Havarie des Tankmotorschiffs „Waldhof“ am 13. Januar herrscht bei der Wasserschutzpolizeistation (WSP) in St. Goar der Ausnahmezustand.

    In der Befehlsstelle der Polizeistation in St. Goar laufen die Fäden zusammen. Hier wird koordiniert und organisiert. Harald Brock, Heinz-Jürgen Hofrath (von links) und den Kollegen wird viel abverlangt.
    In der Befehlsstelle der Polizeistation in St. Goar laufen die Fäden zusammen. Hier wird koordiniert und organisiert. Harald Brock, Heinz-Jürgen Hofrath (von links) und den Kollegen wird viel abverlangt.
    Foto: Suzanne Breitbach

    Mittelrhein - Seit der Havarie des Tankmotorschiffs „Waldhof“ am 13. Januar herrscht bei der Wasserschutzpolizeistation (WSP) in St. Goar der Ausnahmezustand. Mit einer täglichen Personalstärke von 50 bis 60 Beamten wird der einmalige Fall in der Rheinschifffahrt mit vollem Einsatz bearbeitet.

    Die Arbeitszeiten für die Beamten haben sich seit jenem Morgen verändert. Der Dienst wurde umgestellt auf vier Schichten mit Zwölf-Stunden-Regelung. Personell werden die St. Goarer von Kollegen aus Trier, Germersheim, Ludwigshafen, Cochem, Mainz, Andernach, Bingen, Bernkastel und Koblenz unterstützt. Regulär liegen im St. Goarer Hafen zwei Dienstboote. Das reicht bei Weitem nicht. Zusätzliche Boote wurden angefordert, sodass jetzt sechs Polizeiboote am Mittelrhein tagtäglich flussauf- und -abwärts im Einsatz sind.

    Eine Häufung von Schiffsunfällen im November und Dezember beobachtete die Wasserschutzpolizei St. Goar im Bereich der Loreley. „Sie ist die gefährlichste Stelle der Binnenschifffahrt und stellt extrem hohe Anforderungen an die Besatzungen. Strömungsgeschwindigkeiten von 13 oder 14 Kilometern pro Stunde erwarten die Schiffer dort,“ erklärt der WSP-Leiter Thomas Bredel.

    Eingebunden sind die Polizeiinspektionen Boppard und St. Goarshausen, die Kripo Montabaur, das Polizeipräsidium Koblenz samt Pressesprechern, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie die Staatskanzlei. Dezentral werden die Ermittlungen zum Unfallhergang bei der WSP-Station Koblenz bearbeitet. Im ersten Stock der Station St. Goar wurde eine Befehlsstelle eingerichtet mit viel technischer Ausstattung. Hier wird geplant, organisiert und berichtet.

    Die WSP fährt Streife und lenkt ihr Augenmerk dabei sowohl auf die Schiffe, die im Hafen fest sitzen sowie auf die auf dem Strom. Die Beamten müssen sich einen Überblick über die Situation verschaffen, um die Talfahrt von Hunderten von Rheinschiffen, die immer noch auf Weiterfahrt warten, zu organisieren. Zwei uniformierte Polizeibeamte aus den Niederlanden unterstützen die Wasserschutzpolizei dabei. Sie konzentrieren sich auf die niederländischen Schiffsführer, die oberhalb der Havariestelle seit Tagen zwangsläufig festgemacht haben. Bei ihnen werben sie um Verständnis für die außergewöhnliche Situation in der Rheinschifffahrt.

    „Unsere niederländischen Kollegen werden möglicherweise bei der Öffnung der Talfahrt wieder am Mittelrhein eingesetzt, um Sprachbarrieren zu meistern“, hofft Thomas Bredel auf einen weiteren Einsatz der Kollegen aus dem Nachbarland.

    Auch die technische Ausrüstung wurde zwischenzeitlich optimiert. Mit einem Sonargerät der Kollegen aus Germersheim wurde der Flussgrund abgesucht. Zwei der vier Besatzungsmitglieder werden ja noch immer vermisst. Das Landeskriminalamt unterstützt die Suche mit Wärmebildtechnik. Die Hubschrauberstaffel Winningen fotografiert, filmt und misst mit der Wärmebildkamera. „Von Bad Salzig bis zur Loreley wurde der Rhein mit dem Sonargerät gescannt,“ erläutert Bredel.

    Für den WSP-Leiter, der vor knapp einem halben Jahr die Dienststelle übernommen hat, besteht für diesen einmaligen Fall in der Rheinschifffahrt nach wie vor großer Abstimmungsbedarf mit allen beteiligten Behörden. In der Anfangsphase standen die Suche nach den beiden Vermissten und die Sicherung des Schiffes an erster Stelle. Bei den Bohrungen unter Explosionsgefahr und der Vorbereitung auf das Leichtern waren und sind die Beamten weiterhin stark gefordert. „Wenn es brennt, ist jeder hier zum Dauereinsatz bereit“, freut sich Bredel über seine engagierten Mitarbeiter. Neben dem Großprojekt „Waldhof“ kümmerten sie sich auch um ein gesunkenes Lotsenboot in Oberwesel, das Auto, das an der Fähre St. Goar in den Rhein rollte und um eine Wasserleiche.

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