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    BerlinStromkonzerne prüfen Strompreiserhöhung

    Die deutsche Energiebranche berechnet angesichts der höheren EEG-Umlage im nächsten Jahr ihre Strompreise neu, gibt sich aber beim Thema Erhöhung sehr bedeckt.

    RWE-Braunkohleblöcke
    Braunkohle-Kraftwerksblöcke des Stromkonzerns RWE.
    Foto: Federico Gambarini/Archiv - DPA

    «Eine automatische Umsetzung verbietet sich. Die Umlage ist nur ein Bestandteil für die Preiskalkulation. Wir werden den Markt in den nächsten Wochen sorgfältig beobachten», sagte ein Eon-Sprecher. «RWE Vertrieb hält ihren Strompreis in der Grundversorgung bis in das Jahr 2013 stabil», sagte ein RWE-Sprecher. Auch Sprecher der Energiekonzerne EnBW und Vattenfall zeigten sich beim Thema Preiserhöhung zurückhaltend.

    Umweltminister Peter Altmaier (CDU) erklärte auf MDR Info, er glaube, es gebe eine Chance, mit den Energieversorgern darüber zu reden, nur einen Teil oder auch gar nichts von den Erhöhungen an die Endverbraucher weiter zu geben. «Das wäre die beste und die schnellste Möglichkeit im übrigen, die Strompreise stabil zu halten«, sagte er.

    Verbraucherschützer rechnen allerdings im Laufe des kommenden Jahres für die gesamte Branche mit höheren Preisen, sollte die Erhöhung der Umlage nicht bereits zu Jahresbeginn weiter gegeben werden. Der größte Energieversorger in Ostdeutschland, enviaM, hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, in ganz Deutschland sei ab Januar 2013 mit einem «historischen» Anstieg zu rechnen.

    Die Netzbetreiber hatten am Vormittag angekündigt, die Förderumlage für erneuerbare Energien um rund 47 Prozent auf knapp 5,3 Cent je Kilowattstunde zu erhöhen. Für einen Durchschnittshaushalt mit vier Personen ergibt sich daraus eine jährliche Mehrbelastung von etwa 60 bis 70 Euro.

    «Wir können noch nicht sagen, ob und wann die höhere EEG-Umlage zu Preissteigerungen führt», sagte ein Sprecher des Karlsruher Energieversorgers EnBW am Montag. Der Konzern wolle alle Faktoren bei der Preisgestaltung berücksichtigen «und dann einen Strich ziehen und entscheiden». Dazu gehörten neben der EEG-Umlage etwa die Offshore-Umlage, die Umlage zur Entlastung der stromintensiven Industrie von den Netzentgelten, andererseits aber die niedrigen Beschaffungskosten von Strom.

    Kritik an der Erhöhung der Umlage kam von der Stahlindustrie. Die höhere Umlage lasse die EEG-Kosten der Stahlbranche um fast die Hälfte auf 260 Millionen Euro anschwellen, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Dies bedeute eine «erhebliche Belastung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit». Die energieintensiven Unternehmen seien keineswegs - wie oft behauptet - komplett von der Umlage befreit.

    Der Verband der Familienunternehmer fordert gleitende Übergänge bei der EEG-Umlage, so dass Firmen in die Belastungen hineinwachsen könnten. «Es kann nicht sein, dass der Großteil der Familienunternehmer unter den höheren Gebühren leidet und ein anderer Teil der Wirtschaft durch die Befreiung als energieintensive Unternehmen sowie den gefallenen Strompreisen an der Börse doppelt davon profitiert», sagte Verbandschef Lutz Goebel dem «Weser-Kurier» (Dienstag).

    Der Bund der Energieverbraucher hatte dagegen bereits Ende vergangener Woche Kritik am EEG zurückgewiesen. Es gebe keine Alternative zu einem drastischen Ausbau der erneuerbaren Energien, hieß es in einer Erklärung. Die EEG-Umlage sei keineswegs Hauptkostentreiber beim Strom, und die Fördersummen für die erneuerbaren Energien lägen deutlich unter denen für Kohle- und Atomenergie. Verbraucher könnten ihre Stromkosten oft durch einen Anbieterwechsel verringern, riet der Bund der Energieverbraucher. Immer noch seien rund 40 Prozent aller Verbraucher im teuersten Tarif, der Grundversorgung.

    Infos zur neuen Umlage

    Altmaier-Vorschlag für EEG-Reform

    Grünen-Plan zur Entlastung der Stromkunden

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