40.000
  • Startseite
  • » Brennpunkt
  • » Mubarak: Langzeitpräsident mit schwindender Macht
  • Aus unserem Archiv

    KairoMubarak: Langzeitpräsident mit schwindender Macht

    Fast drei Jahrzehnte war Husni Mubarak der unantastbare Herrscher vom Nil. Nicht einmal drei Wochen dauerte es, bis seine Macht merklich zerfiel. In einer Rede an die Nation machte der ägyptische Präsident zwar klar, dass er bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben wolle.

    Mubarak-Auftritt
    Der ägyptische Präsident Mubarak wendet sich am 10.02.2011 in Kairo in einer Rede an sein Volk.
    Foto: dpa/TVGrab

    Nach wochenlangen Massenprotesten und blutigen Ausschreitungen erklärte sich der 82-Jährige aber gleichzeitig zum Verzicht auf Vollmachten bereit.

    Mubarak hat eine Sonderstellung unter den Führern der arabischen Welt. Fast 30 Jahre führt er das bevölkerungsreichste Land im Nahen Osten und pflegte bis zu Beginn der Unruhen gleichzeitig gute Beziehungen zu den USA und Israel. Nun fordern die USA wie Hunderttausende seiner Landsleute rasche und tiefgreifende politische Reformen.

    Der Beamtensohn Mubarak kam über eine Militärkarriere in die Politik. Als Vizepräsident rückte er 1981 automatisch an die Staatsspitze, als Präsident Anwar el Sadat wegen seines Friedensvertrags mit Israel von radikalen Muslimen ermordet wurde. Mubarak gelang es, trotz des in der arabischen Welt umstrittenen Friedensvertrages mit Israel Ägypten in einer regionalen Führungsrolle zu halten.

    Mit seiner ausgleichenden Außenpolitik und seinem harten Vorgehen gegen radikale Muslimgruppen im Land, die in den 1990er Jahren ausländische Touristen und Staatsdiener töteten, verschaffte sich Mubarak im Westen breite Unterstützung. Er befürwortete 1991 den Krieg zur Vertreibung der Iraker aus Kuwait, versuchte 2003 aber, die USA von einem erneuten Irakkrieg abzubringen.

    Der Westen sah in dem Präsidenten einen verlässlichen Partner und entscheidenden Pfeiler für die Stabilität im Nahen Osten. Daher wurde sein Land mit Milliarden unterstützt. Über Menschenrechtsverletzungen sah der Westen hinweg oder schwieg dazu.

    Kritiker warfen Mubarak vor, seinen Sohn Gamal zum Nachfolger aufzubauen und eine Dynastie schaffen zu wollen. Unter dem Druck der Straße und der Staatengemeinschaft kündigte er allerdings an, dass weder er noch sein Sohn bei den nächsten Wahlen kandidierten.

    Mubarak hatte sich stets tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Reformen verweigert. Die Spannungen in der ägyptischen Gesellschaft nahmen seit Jahren zu, auch weil soziale Konflikte immer schärfer zutage traten. Angesichts der Verteuerung von Öl und Lebensmitteln wurde der Präsident in den vergangenen Jahren sogar mit Hungerrevolten konfrontiert.

    Live Blog von Al-Dschasira über die Ereignisse des Tages auf Englisch

    Live Blog bei CNN

    Twitter zur Protestbewegung

    Interview von El Baradei mit der Wiener «Presse»

    Ägypten-Blog Bikya Masr

    Brennpunkt
    Meistgelesene Artikel