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    London«Jetzt auch noch ein Vulkan» - Ärger über Flugausfälle

    An Verspätungen ist jeder Fluggast in Großbritannien, insbesondere in London, gewöhnt. Doch dass es dieses Mal nicht an Streiks, Nebel oder technischen Pannen liegt, sondern an Vulkanasche ist neu.

    Flugverbot über Großbritannien
    Am Airport Stansted bei London geht gar nichts mehr.

    «An so etwas Exotisches denkt man hier ja nicht», sagte Sonal Valani (24), die auf dem Weg zu ihrem Junggesellinnenabschied in Mallorca war und am Donnerstag am Flughafen Stansted in London festsaß.

    Nicht nur in Stansted, sondern in ganz Großbritannien ging von Mittag an nichts mehr. Die Flugsicherung hatte den gesamten Luftraum gesperrt. Das kam bisher noch nie vor, selbst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gab es nur Einschränkungen.

    Nun gab es lange Schlangen und lange Gesichter: Während viele Passagiere umbuchten, beschwerten sich andere, dass die Sperrung eine Überreaktion sei. Vor allem in London-Heathrow, einem der wichtigsten Knotenpunkte der Welt, gab es chaotische Szenen. «Der Himmel war vollkommen klar...das ist Panik ohne Grund», sagte Patrick Keys (70), der aus Südafrika kam und in Heathrow umsteigen musste.

    «Ich verstehe ja, dass dies ein Werk Gottes ist, aber es wäre nett, wenn man eine Alternative hätte», sagte Isobel Connolly aus San Francisco, die in Heathrow strandete. Pro Tag werden dort 180 000 Passagiere abgefertigt. Ein 40-jähriger deutscher Geschäftsmann wollte eigentlich von Hamburg nach Heathrow fliegen, aber sein Lufthansa-Flug wurde gestrichen. «Ich wurde auf Freitag umgebucht. Ich hoffe, es klappt, man weiß ja nicht, wie schnell die Wolke weiterzieht.» Der Vielflieger ist etwas genervt. «Erst Streik oder Streikdrohungen bei British Airways, Lufthansa und den Fluglotsen jetzt auch noch der Vulkan, nichts ist mehr sicher.»

    Andere Passagiere aus Deutschland saßen in London fest. Der Fotograf Michael Heuberger wollte von Frankfurt-Hahn über Stansted nach Oslo fliegen. «Ich nehme mir jetzt ein Hotel, das muss ich wohl selber zahlen. Ist ja höhere Gewalt», sagte er. Die Stimmung am Flughafen sei aber nicht aggressiv.

    Dass es nun Asche regnet, schlossen Experten aus: «Das ist keine dichte Wolke», sagte David Rothery, Umweltwissenschaftler an der Open University, «es ist unwahrscheinlich, dass die Menschen am Boden etwas mitbekommen.» Aber die Leute würden wegen der Asche vielleicht in den Genuss eines «spektakulären roten Sonnenuntergangs» kommen.

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