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    MünsterGeologe: Ende von Vulkanausbruch nicht absehbar

    Der isländische Gletschervulkan spuckt nicht zum ersten Mal Asche. Im 19. Jahrhundert brodelte er zwei Jahre lang - von 1821 bis 1823.

    Vulkanausbruch
    Der Gletschervulkan aus Island stößt weiter Asche und Rauch aus.

    Ob der Ausbruch jetzt wieder so lange dauern wird, ist nach Ansicht des Geologen Prof. Michael Bröcker von der Universität Münster nicht absehbar. «Man kann da keinerlei seriöse Vorhersagen machen», sagte der Wissenschaftler in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Der Ausbruch kann in einigen Tagen zu Ende sein, er kann aber auch anhalten.»

    Nach Angaben des Geologen ist die wesentliche Ursache für den heftigen Ausbruch das Zusammentreffen von Lava und Schmelzwasser. «Durch diesen Kontakt verdampft das Wasser explosionsartig, große Mengen an Lava werden in Bestandteile zerlegt, die kleiner sind als zwei Millimeter. Solche Partikel werden als vulkanische Asche bezeichnet.»

    Der Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher hatte am Donnerstag eine elf Kilometer hohe Rauchsäule ausgestoßen, die als Aschewolke auf den europäischen Kontinent getrieben wurde. «Das ist für einen isländischen Vulkan eher ungewöhnlich», sagte Bröcker. Die Vulkane auf Island würden normalerweise nicht explosionsartig ausbrechen. «Solange sie nicht in Kontakt mit Oberflächenwasser kommen, fließen sie relativ ruhig aus.»

    Obwohl der Ausbruch des Vulkangletschers jetzt sehr heftig sei - mit einer verheerenden Eruption des isländischen Laki-Vulkans im Jahr 1783, die das Klima für einige Jahre veränderte, sei er nicht vergleichbar. «Damals war ein etwa 25 kilometerlanges Spaltensystem aufgerissen und hatte eine große Menge Lava ausgestoßen», sagte Bröcker. Als Folge trieb eine riesige Dunstwolke nach Europa. «Anders als jetzt war die Wolke jedoch mit vulkanischen Gasen wie dem giftigen Schwefeldioxid und zum Teil auch mit Fluor-Verbindungen angereichert», erklärte der Geologe. «Dies hatte weitreichende Klimaveränderungen zur Folge. In England etwa hat es extrem heiße Sommer gegeben. Der folgende Winter war dagegen europaweit und in Nordamerika ungewöhnlich kalt.»

    Erhebliche Auswirkungen auf das Klima seien derzeit nicht zu befürchten. «Es gibt bisher keine Informationen über auffällige Mengen an Schwefeldioxid», sagte Böcker. «Damit ist nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen auch nicht zu rechnen. Im Moment wird im wesentlichen Asche und Wasserdampf freigesetzt. Dadurch wird das Klima nicht verändert.»

    Gespräch: Silke Katenkamp, dpa

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