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    BerlinDemos gegen Mohammed-Video in Deutschland friedlich

    Die ersten Proteste gegen das umstrittene Mohammed-Video in Deutschland sind allesamt friedlich verlaufen. In Freiburg in Baden-Württemberg demonstrierten nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Menschen gegen das in den USA entstandene Schmähvideo, die Polizei sprach von rund 900 Teilnehmern.

    Demonstration in Freiburg
    Demonstrationsteilnehmerinnen in Freiburg.
    Foto: Patrick Seeger - DPA

    In Münster in Westfalen gingen rund 600 Menschen auf die Straße, in Cuxhaven beteiligten sich knapp 100 Demonstranten an einer Kundgebung. In der islamischen Welt hatte das Video zuletzt zu blutigen Unruhen geführt, bei denen am Freitag allein in Pakistan mehr als ein Dutzend Menschen starben.

    Der Demonstrationszug in Freiburg, an dem viele Frauen und Kinder teilnahmen, wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Auf Transparenten stand «Nein zur Beleidigungsfreiheit» und «Unser Prophet Mohammed ist tabu». Wie in Freiburg ging am Abend auch die Protestaktion in Münster friedlich zu Ende. Eine Polizeisprecherin zeigte sich mit dem Verlauf «sehr zufrieden». Es habe «keine Provokationen von außen» gegeben. Auf Transparenten hatten die Demonstranten Respekt für alle Religionen gefordert.

    Kaum Resonanz fand ein Protestaufruf in Hannover. Zu der von einer Einzelperson angemeldeten Kundgebung erschienen nur sieben Menschen, meldete die Polizei. Journalisten seien doppelt so viele gekommen. An diesem Samstag sind Proteste in Karlsruhe und Dortmund angemeldet. Für den 6. Oktober wurde auch für Berlin eine Demonstration angekündigt.

    In Göttingen beschmierte ein 26-Jähriger aus Protest gegen den Islam zwei Moscheen und die Räume eines islamischen Vereins - auch Schweineköpfe mit Turban sprühte er auf die Wände. Er habe die Tat zugegeben, erklärte die Polizei. Ihn erwartet ein Verfahren wegen Sachbeschädigung.

    Vertreter aus Religion und Politik bemühten sich unterdessen, die Wogen zu glätten: Die Bundesregierung sehe die geplanten Proteste gegen das Mohammed-Video gelassen. «Wir gehen davon aus, dass die Demonstrationen friedlich und besonnen verlaufen», sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: «Es ist ihr Recht zu protestieren.» Er betonte aber: «Gewalt darf es nicht geben.»

    Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte «an alle Seiten, mäßigend einzuwirken». Weiter hieß es aus der Mainzer Staatskanzlei: «Wir sind alle gefordert, unsere rechtsstaatlichen Mittel zu nutzen, um deeskalierend zu wirken.»

    Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach sich nachdrücklich gegen ein Verbot des Videos aus. «Es ist unterirdisch, wenn Horst Seehofer und die CSU jetzt die Diskussion um das unsägliche Schmähvideo missbrauchen wollen, um Gesetzesverschärfungen gegen Blasphemie aus der Mottenkiste zu holen», sagte Roth dem «Münchner Merkur» (Samstag). Religionen müssten Kritik, Kunst und Satire aushalten.

    Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält das Video und umstrittene Karikaturen aus Frankreich aber nur für den Auslöser der Proteste. «Der eigentliche Grund ist, dass es ein großes Potenzial an Vorurteilen gegenüber dem Westen gibt», sagte Mazyek im Fernsehsender Phoenix. «Die Völker dort haben über viele Jahre gelitten und Demütigungen erfahren.»

    Das Schmäh-Video bei YouTube

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