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    nitz hund

    Was für ein dröhnendes Spektakel Pfingstsonntag in meinem Dorf: Dutzende Bürger platzieren sich bei bestem Wetter auch diesmal entlang der Hauptstraße, um den gut 450 Maschinen starken Tross aus Motorrad- und Quadfahrern vom alljährlichen Bikertreffen aus dem Nachbarort bei der Durchfahrt winkend, rufend und Kuhglocken läutend zu empfangen. Einer der Zaungäste jedoch fühlt sich unwohl in seiner Haut. Nicht, weil er Motorräder nicht mag oder kein Benzin im Blut hat. Sondern, weil er einen Plastikbeutel mit einem riesigen Hundehaufen mit sich führt: Ich müffele.

    Von unserem Redakteur
    Stefan Nitz

    Was für ein dröhnendes Spektakel Pfingstsonntag in meinem Dorf: Dutzende Bürger platzieren sich bei bestem Wetter auch diesmal entlang der Hauptstraße, um den gut 450 Maschinen starken Tross aus Motorrad- und Quadfahrern vom alljährlichen Bikertreffen aus dem Nachbarort bei der Durchfahrt winkend, rufend und Kuhglocken läutend zu empfangen. Einer der Zaungäste jedoch fühlt sich unwohl in seiner Haut. Nicht, weil er Motorräder nicht mag oder kein Benzin im Blut hat. Sondern, weil er einen Plastikbeutel mit einem riesigen Hundehaufen mit sich führt: Ich müffele.

    Etwas später aufstehen, den Tag entspannt angehen, in Ruhe mit Muße frühstücken, Zeitung lesen, mal nicht hetzen müssen. Als ich mich mit Zoe aufmache, stehen die Zeiger auf später Vormittag. Auf der inneren Uhr unseres Dackel muss es indes mindestens fünf vor zwölf gewesen sein. Denn kaum mehr als 100 Meter unterwegs, verrichtet Zoe ihre Notdurft an einer absolut unüblichen Stelle. Und was für eine. Ein wahrlich gewichtiges Geschäft. Routiniert sammele ich die Hinterlassenschaft mit der Hundekottüte auf, verstaue den Beutel in die untere Außentasche meiner knielangen Freizeithose.

    Kurz darauf treffe ich an der Hauptstraße auf mehrere dort versammelte Nachbarn, die mit Sekt, Gerstensaft, Wasser und Schokolade ausgerüstet auf den Motorradtross, den ich selbst nicht auf dem Schirm hatte, warten. Sohnemann, Hündchen und der mit dem Plastikbeutel in der Hosentasche nehmen die nette Einladung an, gesellen sich dazu. Letzterer fragt sich, ob andere auch das riechen, was er wahrnimmt. Abstand halten, mal lieber einen Schritt auf Distanz gehen. Sonst könnte es peinlich werden. Sicherheitshalber entscheide ich mich für Offenheit, berichte von meinem Gepäck und bitte um Nachsicht, so die Nasen bereits Entsprechendes vermittelt haben sollten. Hatten sie nicht. Den Hinweis hätte ich mir und den Nachbarn ersparen können.

    Zu Hause zurück, erinnere ich mich an die Hundebesitzerin, die ihre Kottüten zusätzlich in einer Tupperware-Brotdose verstaut, das Behältnis in ihrer Handtasche mitführt und es zu Hause entleert. Die Idee finde ich gar nicht so schlecht, ist für mich aber ungeeignet. Denn ich müffele zur Not lieber ein bisschen, als mit einer Herrenhandtasche herumzulaufen.

    Auf den Hund gekommen
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